Geschichte  

Auf dieser Seite sind 17 Artikel des Ortsheimatpflegers Wilhelm Gerdes und ein Text des Vorsitzenden der Kulturgemeinschaft Friedrich Niemeier veröffentlicht:

1943 : Brief an Lahder Frontsoldaten (Wilhelm Gerdes)

Die alte Schule in Lahde und ihre Lehrer (Wilhelm Gerdes)

Historische Verhörprotokolle aus dem Lahder Archiv zum Thema "Tanzlustbarkeit" (Wilhelm Gerdes)

Nachtwächter in Lahde (Willhelm Gerdes)

Schriftverkehr "anno 1832" und Bau des Bahnhofs Lahde (Willhelm Gerdes)

Kindergärten in Lahde (Wilhelm Gerdes)

Auswanderer aus Lahde: 1830 - 1890 (Wilhelm Gerdes)

Schulwesen in Lahde (Wilhelm Gerdes)

Gemeindeprotokoll aus dem Jahr 1882: Schule und Lehrer (Wilhelm Gerdes)

Der Lahder Friedhof (Wilhelm Gerdes)

Die Lahder Kirche (Wilhelm Gerdes)

Die Geschichte der Realschule Lahde (Wilhelm Gerdes)

Historische Gebäude und Bauwerke in Lahde (Wilhelm Gerdes)

Die Geschichte der Klostermühle Lahde (Wilhelm Gerdes)

Aus der Geschichte der Ortschaft Lahde (Wilhelm Gerdes)

Archäologische Funde in Lahde (Wilhelm Gerdes)

Die Geschichte des Bismarckdenmals) (Wilhelm Gerdes)

Entstehung der Kulturgemeinschaft Lahde (Friedrich Niemeier)

Ausgabe 21 April 2007

Lahde, einst und jetzt

Liebe Lahderinnen und Lahder,

In der Geschichte unseres Dorfes hat die erste urkundliche Erwähnung mit der Schenkung eines Hofes in Lahde an das Bistum Minden durch Heinrich den Löwen einen besonderen Stellenwert. Auch Jahrzehnte später wird die Bedeutung Lahdes mit der Gründung eines Nonnenklosters wichtig.

Stadtheimatpfleger Röttger hat in einem Vortrag im Herbst 2006 diese Bedeutung besonders hervorgehoben. Ich möchte in diesem Blättchen auf die Bedeutung der Klostermühle Lahde eingehen. Stützen möchte ich mich dabei auf die Ergebnisse der geschichtlichen Untersuchungen des

Heimatforschers Dr. Großmann, Vlotho.

Von den vielen Mühlen, welche die Aue auf ihrem Weg vom mittleren Wesergebirge bis zu ihrer Mündung in die Weser treibt, ist die Lahder Mühle die letzte. Sie liegt nur 2,5km von ihrer Mündung entfernt. In früheren Jahrhunderten waren es sogar nur 300m. Denn damals floss ein Arm der Weser hart am Westrande von Lahde – unmittelbar hinter dem Lahder Krug- im heutigen Auebett.. Dadurch erklärt sich auch der plötzliche Richtungswechsel der Aue nach Norden.

In dem Winkel zwischen dem alten Weserarm und der Aue liegt der alte Ortskern von Lahde. Er bildete ein Quadrat von etwa 400 m Seitenlänge, in dessen südöstlicher Ecke sich die Kirche erhebt. Dicht südlich davon liegt die Lahder Mühle, an der vorbei eine Brücke über die Aue in die Marsch führt, in der bis ins 17. Jahrhundert der Heckerhof lag. 1,5km südöstlich der Lahder Mühle liegt die Talmühle und weitere 400m oberhalb liegt die Rothe Mühle. Beide Mühlen liegen etwa 40m über dem Meeresspiegel, bei der Lahder Mühle sind es etwa 36m.

Während die höher gelegenen Mühlen, die aber inzwischen dem großen Mühlensterben zum Opfer gefallen sind, älter als die Lahder Mühle waren, verdankt diese dem 1265 gegründeten Nonnenkloster ihre Entstehung. In der Urkunde, durch die es der Bischof Kuno von Minden mit allerlei Grundbesitz ausstattete, ist nämlich von einem kleinem Fluss, der an der einen Seite des Dorfes fließt, die Rede. Eine Mühle gab es damals noch nicht dort, denn sonst wäre sie sicherlich erwähnt worden.

Die Nonnen hatten nach 1265 mit der Erbauung der Klostergebäude und auch der Mühle begonnen. Aber den Frieden, den sie sich im Kloster erhofften, fanden sie dort nicht. Sie hatten unter den adeligen Nachbarn, die dem Kloster seinen Besitz nicht gönnten, zu leiden. Und sogar das Nachbarkloster zu Loccum, das in und bei Lahde reiche Besitzungen und Rechte erworben hatte, gehörte ebenfalls zu den Gegnern. Bei diesen Streitigkeiten ging es besonders um die Aue, an der das Kloster Loccum die Talmühle besaß, die später aber dem Kloster Mariensee bei Neustadt am Rübenberge gehörte.

Bei dem Streit mit Loccum ging es auch um die Aue, über die in einem am 23. 6. 1292 abgeschlossenen Vergleich festgelegt wurde, dass das Eigentum über diese innerhalb des eingezäunten Klostergebietes diesem allein zustehe. Im übrigen hätten beide Klöster gemeinsam das Recht, die Aue zu nutzen, sei es in der Fischerei und zu sonstigen Zwecken. Doch hätten die Vertreter des Nonnenklosters darauf zu achten, dass der Mühle, den Wiesen und Weiden der Loccumer Mühle durch Überschwemmung kein Schaden zugefügt würde. Sie hatten also bei Hochwasser dafür zu sorgen, dass das Schütz der Mühle rechtzeitig geöffnet wurde.

Nachdem den Nonnen vom Grafen von Lippe eine neue ruhigere Heimstatt in Lemgo angeboten war, verkauften sie am 4. 2. 1306 den größten Teil ihres Lahder Besitzes an das Kloster Loccum für 1500 Mark Bremer Silbers. Damit wurde Loccum, das einen Verwalter und einige Laienbrüder nach Lahde abordnete, auch der Besitzer der Mühle. Von dem eigentlichen Kloster ist nichts mehr übrig geblieben. Doch erinnern heute noch zwei Flurnamen daran, das Mönkebruch und der Mönkegarten, östlich der Mühle gelegen, der eine Länge von etwa 170m und eine Breite von etwa 160 m hat.

Viel Freude hat Loccum mit der Klostermühle nicht gehabt. Bei Überschwemmungen oder bei Wassermangel gab es stets Schwierigkeiten. Daher entschloss sich im Jahre 1357der mit der Verwaltung des Lahder Klosterhofes beauftragte Mönch Meyners, mit Mariensee über die Nutzung der Talmühle zu verhandeln. Es wurde ein umfangreicher Vertrag aufgesetzt mit dem Probst des Klosters Mariensee und zwei anderen Brüdern, wonach ihm, solange er lebe, diese Dahlmöhle überlassen werde. Denn die Klostermühle sei mit ihrem Zubehör und Mahlwerken so mangelhaft und baufällig, dass die Mehlversorgung nicht mehr gewährleistet sei. Er wolle die Talmühle in gutem Zustande erhalten, die nach seinem Tod wieder an Mariensee zurückfallen solle. Der Abt von Loccum billigte den Vertrag und befahl dem Bruder Meyners, dass er die Wasserrinne reinhalten und die Mühle und alles ,was dazu gehöre, in bestem Zustand halten solle, als ob es dem Kloster Loccum selbst gehöre.

Wir wissen nicht, wie lange dieser Zustand gedauert hat und wann die Klostermühle wieder instand gesetzt worden ist. Die nächsten Nachrichten stammen nämlich erst aus dem 17. Jahrhundert.

Erst als die Regierung von Preußen, an das im Jahre 1648 mit dem Fürstentum Minden auch Lahde gefallen war, dazu überging, sich näher mit dem Mühlenwesen zu befassen, hören wir auch wieder von der Lahder Klostermühle. Den dabei entstandenen Akten verdanken wir einen Vertrag, der zwischen dem Kloster Loccum und dem Doktor der Arznei Engering im Jahre 1628 abgeschlossen wurde und der sich auch mit der Mühle befasst. Es war damals die Zeit des dreißigjährigen Krieges, zehn Jahre waren schon vergangen und hatten die wilden Horden des Grafen von Mansfeld, des Grafen Tilly und des Königs von Dänemark auch in unsere Heimat gebracht. Die Einwohner mussten hohe Kriegssteuern aufbringen, und oft musste man die Offiziere bestechen, damit sie ihre Truppen vom Plündern abhielten.

 

Dadurch war auch das reiche Kloster Loccum in Geldschwierigkeiten gekommen und hatte sich von Johann Philipp Engering 1500 Taler geliehen, die es in den gefährlichen Kriegszeiten zum besten des Klosters angewandt hatte. Die Vertreter des Klosters versprachen, die 1500 Taler jährlich mit 90 Talern ,also mit 6% zu verzinsen. Zur Sicherung und als Unterpfand setzten sie die Klostermühle, die er falls das Kloster mit seinen Zahlungen im Rückstand bliebe, für sich nutzen oder auch andern überlassen könne .Fast ¾ Jahrhundert hat es gedauert, bis das Kloster in der Lage war, diese Schuldverschreibung einzulösen, die inzwischen auf dem Erbewege oder durch Abtretung in den Besitz des W.H. v. Danckelmann, eines Mitgliedes der Mindener Regierung gelangt war. Am 4. 10. 1701 quittierte er den Empfang der 1500 Taler und überlässt damit dem Kloster wiederum das Eigentum an der Mühle. Aber es dauerte nicht lange, da drohte der Mühle eine neue Gefahr.

Der preußische Mühlenzwang besagte, dass nur noch staatliche Mühlen arbeiten durften. Doch weil die Mühle Ausländern gehörte- Kloster Loccum war hannoversch-konnte der Mühlenzwang nicht greifen.

 

1750 schließlich hat Justus Heinrich Homeier die Mühle zum Taxwert von 255 Talern gekauft, musste aber für den Betrieb jährlich 170 Taler Pacht bezahlen, die schließlich in der Zeit der napoleonischen Besetzung in Westfalen auf 295, 36 Franc festgesetzt wurde. Theodor Hinrich Claasen , der 1823 die Lahder Klostermühle erwarb, war der nächste Besitzer. In die Hände der Meyers kam die Mühle 1867,als Gottfried Meyer aus Minderheide die Mühle kaufte. Der Großvater des heutigen Besitzers nahm sie im Jahre 1871 in seinen Besitz. Drei Generationen der Meyers haben hier durch das Mahlen ihr Brot verdient. Karl Meyer übernahm die Mühle 1931 von seinem Vater.

Bis dahin wurde im hiesigen Bereich einmalige Gelegenheit genutzt, mit zwei Mahlwerken gleichzeitig in einem Gebäude das Korn zu mahlen. Neben den Mahlgängen ,die von der Windkraft angetrieben wurden, konnten im hinteren Teil der Mühle weitere Mahlsteine durch das Wasser der Aue angetrieben werden.

Jetzt ist die Mühle erneut in Gefahr. Das Müllerehepaar Meyer verstarb vor wenigen Jahren. Das Müllerhaus und die Mühle stehen verwaist. Die drei Müllerstöchter sind verheiratet und anderwertig beschäftigt. Sie schließen zwar regelmäßig morgens die Mühle auf und abends wieder ab, die Mühle wird ihnen zur Last. Es muss eine Lösung für diesen geschichtsträchtigen Ort gefunden werden. Vielleicht ist die Gründung eines Mühlenvereins von engagierten Lahder Einwohnern eine mögliche Lösung. Auch suchen die Archäologen eine Heimstatt für ihre in Lahde gemachten mittelalterlichen Funde. Die Lahder Mühle, im Mittelalter erbaut, wäre sicherlich ein geeigneter Standort für eine mittelalterliche Dauerausstellung. Restauration oder Cafe wären ein guter Anlaufpunkt für die vielen Radfahrer, die ihrem Ziel durch die Marsch folgen. So könnte man ein weiteres touristisches Highlight auf unserer Weserseite schaffen. Ich werde mich auf Ihre kritischen oder aufmunternden Meinungen freuen. Beteiligen Sie sich an diesen Überlegungen.

Herausgeber: Ortsheimatpfleger Wilhelm Gerdes mit Unterstützung der Kulturgemeinschaft Lahde

Aus der Geschichte der Ortschaft Lahde

1168 wurde Lahde ( Lothe )erstmalig urkundlich erwähnt in einer Schenkungsurkunde Heinrichs des Löwen anlässlich seiner Heirat mit Mechthild, einer englischen Prinzessin im Mindener Dom.

Dass Lahde viel älter ist beweisen viele archäologische Funde. 1970 und später wurden 420 Urnen und Leichenbrandnester auf einem Gräberfeld an der Friller Straße, beim Bau des Kraftwerks und dem Bau der Tennishalle gefunden. Die Funde sind auf die jüngere Bronzezeit (1000 – 700 v. Chr. ) datiert worden. Die Anfänge der Besiedlung gehen deshalb weit zurück, da hier die örtlichen Verhältnisse besonders günstig waren. Die Lahder Terrasse, über der Weser und der Aue gelegen, bot gute Siedlungsmöglichkeiten. Auch in diesem Jahr (2006 )waren die Archäologen wieder aktiv und gruben mittelalterliche Gehöfte und Grubenhäuser aus. Daneben lag ein Friedhof mit 25 Skeletten. Mitten in diesem Gräberfeld war ein Pferd bestattet worden. Ein Griffel, Knochenkamm und mehrere Gewandspangen deuten darauf hin, dass die Archäologen die in der Schenkungsurkunde von 1168 genannte Curia gefunden haben.

1206 wird die Lahder Kirche erstmals erwähnt. Neben ihr wurde 1265 das einzige Kloster der Stadt Petershagen errichtet. In ihm lebten 40 Jahre lang Nonnen. Sie wurden durch das benachbarte Kloster Loccum so drangsaliert, dass sie das Kloster verkauften und nach Lemgo zogen. Die Mönche aus Loccum errichteten eine Grangnie. Im 14. Jahrhundert gaben die Mönche den kirchlichen Dienst auf und nutzten nur noch die Grangnie und die von den Nonnen erbaute Klostermühle.

Aus der Grangnie gingen die 4 Meyerhöfe hervor, von denen heute noch 3 übrig geblieben sind. Die erste Besiedlung sammelte sich um die Kirche und so entstand der alte Dorfkern. Um 1600 sind erste Handwerker (Schmied ) nachweisbar. Große Not herrschte im dreißigjährigen Krieg, in dem sowohl Tilly als auch die Truppen von Gustav Adolf in den Dörfern ihre Tribute forderten. Das Dorf konnte nur eine Bevölkerung von ca. 300 aufweisen. Erste inselartigen Ansiedlungen im Lahder Osten im 17. Jahrhundert. Große Armut herrschte im 19. Jahrhundert. Es gab keine Arbeit für 450 Einwohner. 155 Personen suchten in Amerika zwischen 1830 und 1890 eine neue Perspektive. Andere gingen als Hollandgänger zum Grasmähen ins Ausland und lernten dort den Heringsfang kennen. Nach Gründung der ersten Reedereien in Emden und Vegesack versuchten die Männer auf den Schiffen ihr Glück. Vom Sommer bis in den Winter stellten sie dem Hering nach.

1895 Abriss der ersten Lahder Kirche und Aufbau einer größeren. 1912 ältestes Telefonbuch von Lahde mit 12 Rufnummern. 1920 Bau der Eisenbahnstrecke Minden-Nienburg.

1921 Elektrifizierung von Lahde.

1936 Beginn des Kraftwerkbaus mit dem Schleusenkanal zwischen Lahde und Windheim.

1943 Errichtung des Arbeitserziehungslagers Lahde mit vielen Toten.

1945 – 1949 Räumung des Dorfes und Belegung der Häuser durch polnische Fremdarbeiter.

Durch die Inbetriebnahme des Kraftwerks Zuzug von vielen Neubürgern.

1990 – 2000 Zuzug von vielen Russlanddeutschen. Die Einwohnerzahl stieg auf 3600.

Ausgabe 20, Januar 2007

Archäologische Funde in Lahde

Mit den archäologischen Funden im Baugebiet Auf dem Ufer wurde die Diskussion losgetreten, muss die Lahder Geschichte neu geschrieben werden? Fakt ist: 1168 wurde der Lahder Name in einer Schenkungsurkunde erstmals erwähnt. Die Funde Auf dem Ufer bezeugen eine Besiedlung schon viel früher. Die Archäologen deuten die ersten Besiedlungsdaten auf eine Zeit zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert. Mehrere Gehöfte und Grubenhäuser wurden datiert. Sogar ein Brunnen wurde gefunden und ausgegraben. Ist mit diesen ersten Gebäuden die Schenkung von Heinrich dem Löwen gemeint? Sehr wahrscheinlich. Aber das waren nicht die ersten Menschen, die in dieser Gegend gelebt haben. Das beweisen uns die archäologischen Funde, an denen ein Lahder, Friedrich Brinkmann sen. Entscheidend beteiligt war.

Das Dorf Lahde hat sein 830. Jubiläum gefeiert. Die erste urkundliche Erwähnung geschah jedoch zufällig, als Heinrich der Löwe dem Dom zu Minden einen Hof in Lahde schenkte. Dieses Datum kann natürlich nicht als Beginn der Besiedlung im Lahder Raum angesehen werden, denn der Hof in Lahde bestand ja schon. Der beginn der Besiedlung lag erheblich früher. Dies beweist die Archäologie – nicht nur durch die großflächigen Ausgrabungen, auch durch die zahlreichen Beobachtungen und Lesefunde, die dem ehrenamtlichen Engagement von W. Seele, Fr. Brinkmann und E. Brohmann zu verdanken sind. Allein für die Gemarkung Lahde wurden dadurch dem Westfälischen Museum für Archäologie 44 Fundstellen bekannt. So konnte Fr. Brinkmann 1976 sechs Urnenfriedhöfe der Jungbronzezeit und Früheisenzeit, zehn Fundstellen der vorrömischen Eisenzeit, sechs aus der römischen Kaiserzeit und drei aus dem Mittelalter auflisten. Dabei hatte er die Steinzeit und den Beginn der Bronzezeit statistisch nicht berücksichtigt.

Die bisher gesicherten Funde: Steinbeile, Steingeräte, Urnen usw. vermitteln einen weitgehend repräsentativen Eindruck der Frühzeit von Lahde. Umso deutlicher wird das Bild, wenn die Ergebnisse systematischer Ausgrabungen dazukommen. Das westfälische Museum für Archäologie hat in den letzten Jahrzehnten in Lahde vor allem drei Fundstellen untersucht, die für die Zeit von etwa 1900 v. Christus bis um 350 n. Christus wertvolle Erkenntnisse lieferten. Es sind: Die Talmühle, Auf der Höge und Heyden (Kraftwerk).

Das Gräberfeld an der Talmühle war von Fr. Brinkmann 1964 am Rande einer Kiesgrube entdeckt worden. Im Vorfeld des Abbaues ausgegraben wurde es von da an und bis zum Jahre 1974 stets unter der Beteiligung des Entdeckers. Dies erbrachte eine Gesamtzahl von 332 Bestattungen, die teils bronze-, teils eisenzeitlich waren und 40 Grabeinhegungen.

Auch die Entdeckung der zerpflügten Brandgräber Auf der Höge ist Fr. Brinkmann zu verdanken, der dort im Jahre 1979 zwölf Bestattungen notgeborgen hat. Vor dem bau der Tennishalle wurde dann im Jahre 1992 vom westfälischen Museum eine Fläche von 1,3 ha untersucht, in der sich noch 37 Bestattungen und drei Siedlungsgruben befanden.

Leichter und sicherer zu deuten sind die Befunde aus der Mittelbronzezeit ( ca 1600 – 1300 v. Christus). Es handelt sich um drei Grabhügel, die für je eine unverbrannte Leiche angelegt wurden.

Die Mehrzahl der Leichenbrandnester und einige Urnen von Lahde sind erst früheisenzeitlich. Die Trennungslinie zwischen Bronze- und Eisenzeit ist allerdings schwer zu ziehen, weil die Form der Gefäße und der bronzenen Gegenstände fast unverändert blieb. Auch das Erscheinungsbild der Gräber – Urnen und Leichenbrandnester – wurde zunächst beibehalten. Einige kleinere Grabeinhegungen von der Talmühle dürften in die Früheisenzeit einzustufen sein. Doch bald hörte die Sitte auf, das Grab mit einem großen Bannkreis auszuzeichnen. Die eisenzeitlichen Gräber Auf der Höge weisen keine Grabeinhegungen auf und enthielten im Übrigen keine Metallbeigaben mehr.

Besonders wichtig aber sind die Brandgrubengräber von der Talmühle deswegen, weil sie zahlreiche Metallfibeln (Gewandspangen aus Bronze und Eisen) und andere Trachtteile enthielten, die eine chronologische Unterteilung des Fundstoffes des letzten Jahrhunderts vor Christus bis zum Auszug der  Römer (9 bzw. 16 n. Christus) in drei Abschnitte ermöglichte.

Im mittleren Zeitabschnitt (ca 50 bis 10 v. Christus) enthielten die Gräber gelegentlich zwei oder drei Fibeln und fast keine Keramik mehr, dafür aber einmal die seltene Beigabe eines eisernen Armrings. Die Gewandspangen dieser Zeit, die alle aus Eisen bestanden, wurden aus guten Gründen mit einer ostgermanischen Kultur in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich hängt dies mit der Einwanderung der Suebi ( Elbgermanen) zusammen. Spätestens von nun an gilt die Bevölkerung der ganzen Region als germanisch und als zu Stamm der Cherusker gehörig. Siedlungsspuren konnten nicht gefunden werden.

Ganz anders stellen sich die Ergebnisse der archäologischen Funde der Siedlung Heyden dar. An Baubefunden ist ein Gehöft mit Resten eines dreischiffigen Wohnstallhauses, einer Grubenhütte und zwei der Vorratshaltung hoch über dem Boden dienenden Speicherbauten zu verzeichnen. Sicher belegt ist auch die Metallverarbeitung und die Verwendung dickwandiger Lehmöfen, möglicherweise als Töpferöfen.

Zur Kenntnis der Frühgeschichte von Lahde für die Zeit von 1900 v. Christus bis um 350 n. Christus stellen die archäologischen Funde die einzige Quelle dar, die heute zur Verfügung steht. Sie sind deshalb gewiss nicht weniger bedeutend als die schriftliche Urkunde aus dem Jahre 1168 – im Gegenteil – aus ihnen lässt sich mehr ableiten als aus der bloßen Nennung eines Hofes, der vom König an den Mindener Dom geschenkt wurde, auch wenn der Hof jetzt eventuell im Baugebiet Auf dem Uferausgegraben wurde.

 

Quellen: Archäologie in Ostwestfalen, Band 3, 1998

Herausgeber: Ortsheimatpfleger Wilhelm Gerdes mit Unterstützung durch die Kulturgemeinschaft Lahde

Ausgabe 19 Oktober 2006

Lahde, einst und jetzt

Liebe Lahderinnen und Lahder,

wenn man sich mit der Geschichte des Lahder Bismarckdenkmals beschäftigt, muss man sich auch mit der Geschichte des Lahder Bismarckplatzes , dem zentralen Platz in unserem Ort, beschäftigen.

Fakt ist, dass der Bismarckplatz in Lahde seinen Namen durch das Bismarckdenkmal erhalten hat, das ebenda an der Bahnhofstraße gegenüber dem Küchenstudio und in der Nähe des Lahder Kriegerdenkmals gestanden hat. 1927 wurde das Bismarckdenkmal von den Gemeinden des Amtes Windheim zu Lahde errichtet. Es bestand aus Feldsteinen, in die auf der Seite zur Bahnhofstr. hin ein großer Sandsteinblock mit der Inschrift Bismarck eingelassen war. Außerdem befand sich auf dem Denkmal ein ovales, metallenes Relief mit der Büste des Namensgebers. 1964/65 wurden beide Lahder Denkmäler bei der Herrichtung und Gestaltung des Bismarckplatzes abgebrochen und entsorgt.

Jetzt kommt die Geschichte des Bismarckplatzes ins Spiel. Bis dahin stand das Bismarckdenkmal allein auf weiter Flur. Gegenüber stand zwar das Geschäftshaus Borggrefe und das Haus des Viehhändlers Rüter, das Amtsgebäude schloss sich an, auf der westlichen Seite begann der erste Teil des Ortskerns von Lahde. An der alten Bückeburger Str. ,die Kriegerdenkmal und Bismarckdenkmal trennte, wuchsen viele Kastanienbäume. Man sprach von einer Kastanienallee. Nach Osten hin , bis zum Bahnhof, bis zum öttingschen Wohnhaus , zu dem Haus von Randermann und der alten Besiedlung auf dem Vogelbrink, war Ackerland.

Dieses Ackerland umgab auch das Bismarckdenkmal von Lahde und gehörte Bauer Nahrwold Mayerhöfe 2.

Als die rasante wirtschaftliche Entwicklung Lahdes in den 50iger Jahren begann, wurde der Bedarf nach neuen Bebauungsgebieten immer größer. Bauer Nahrwold verkaufte seine Ackerflächen in der Dornenbreite. Es entstand das gleichnamige Bebauungsgebiet. Durch die Umlegung der Bückeburger Str. östlich der alten Trasse entstand der dreieckige Bismarckplatz. Er wird umrahmt durch die Straßen Am Bismarckplatz, Bahnhofstr. und Bückeburger Str. Er ist gern gesehener Parkplatz für die zahlreichen Einzelhandelsgeschäfte in seiner Umgebung und zentrale Bushaltestelle.

Bei der Gestaltung des Bismarckplatzes waren beide Denkmäler im Weg. Sie wurden abgebrochen.

Das Kriegerdenkmal erhielt seinen neuen etwas verlorenen Platz auf dem Gelände der evangelich-.lutherischen Kirche in Lahde. Es erhielt eine neue künstlerische Form und gelangt einmal im Jahr , am Volkstrauertag, in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Hier hält dann die Kulturgemeinschaft Lahde unter Beteiligung der Feuerwehr und des Schützenvereins seine Gedenkfeier ab.

Das Bismarckdenkmal verschwand gänzlich. Die Feldsteine konnten von Lahder Bürgern erworben werden. So sollen bei Herrn Walter Bruns Unterm Berge noch Feldsteine des Denkmals zu finden sein.

Der Sandsteinblock mit der Inschrift Bismarck wurde in die Schuttkuhle am Driftenweg entsorgt. Bauer Lange aus Quetzen -Heide entdeckte diesen Stein in der Kuhle und holte ihn mit großer Mühe auf sein Grundstück. Dort lag er viele Jahre im Auslauf seines Hühnerhofes unentdeckt, bis er ihn auf der Freifläche neben seinem Wohnhaus auf Feldsteinen aufstellte. Dort entdeckte ich ihn auf einer meiner Fahrradtouren. Bei einem Gespräch mit Herrn Lange sagte er mir die Rückkehr des Steines nach Lahde zu. Sie war sehr zeitaufwendig zu realisieren, so dass Herr Lange darüber verstarb. Neue Gespräche mit seiner Tochter und seinem Schwiegersohn machten nun die Rückkehr im Oktober 2005 möglich. Firma Schildmeier aus Quetzen transportierte ihn an Gurten hängend auf das Grundstück von Herrn Fergas. Dort wurde er gereinigt und begutachtet. Zwar hat der Zahn der Zeit an ihm genagt, er ist aber in einem relativ guten Zustand und soll im Jahr 2006 als Erinnerung an das ehemalige Denkmal wieder aufgestellt weren. Sein neuer Standort soll in der Nähe seines alten liegen. Nur 20 m entfernt soll er an der Hainebuchenhecke neben dem Grundstück Humcke gut einsehbar von der Bahnhofstr. neu aufgestellt werden. Über die neue Form des Denkmals macht sich Herr Landefeld von der Stadtverwaltung seine Gedanken,, die in der Kulturgemeinschaft Lahde diskutiert und zu einem guten Ergebnis gebracht werden sollen. Ein Hinweisschild soll auf die Bedeutung dieses Denkmals hinweisen.

Nachdem ich jahrelang mehr oder weniger intensiv nach der ovalen metallenen Tafel von Bismarck gesucht hatte, wurde mir zugetragen, dass ein ehemaliger Wasserwärter der Stadt Petershagen sich erinnern könnte, die gesuchte Büste im Keller des ehemaligen Wasserwerkes in Lahde Friller Str. gesehen zu haben. Dort wurde sie dann auch gefunden. Malermeister L. Blome reinigte sie und bei Aufstellung des Bismarckdenkmals an seinem neuen Platz wird sie dort auch angebracht.

Herausgeber: Ortsheimatpfleger Wilhelm Gerdes mit Unterstützung der Kulturgemeinschaft Lahde

 
Durch die Gebietsreform 1973 verloren die 29 Ortschaften der heutigen Stadt Petershagen ihre politische Selbständigkeit. Hatten viele Ortschaften durch die Schulreform 1969/70 schon ihre Schulen verloren, drohte nun ein kulturelles Vakuum zu entstehen.
Das Schul- und Kulturamt der Stadt entwickelte darum die Idee der Kulturgemeinschaften, und der Rat beschloss deren finanzielle Unterstützung je nach Einwohnerzahl der Gemeinde. Im Januar 1974 wurden die Vereine in Lahde zur Gründungsversammlung der Kulturgemeinschaft Lahde eingeladen. 15 Vereine traten ihr damals sofort bei. Zum Vorsitzenden wurde Ortvorsteher Heinrich Wiegmann gewählt. Walter Dreier übernahm das Amt des Stellvertreters. Beide leiteten die Geschick der Kulturgemeinschaft bis 1997. In der Satzung wurden in der Präambel und im § 3 die Aufgaben und Ziele festgeschrieben.
In der Präambel heißt es:
Vereine der Ortschaft Lahde haben sich unter dem Namen - Kulturgemeinschaft Lahde - zusammengeschlossen, um ihre gemeinsamen Interessen zu pflegen und zu fördern. Die Selbständigkeit, Eigenart und Unabhängigkeit der Vereine wird durch die Angehörigkeit zur Kulturgemeinschaft nicht beeinträchtigt.
Der § 3 sagt verkürzt aus:
Zweck der Kulturgemeinschaft ist die Förderung der Kultur, Bildung und Kunst in der Ortschaft Lahde der Stadt Petershagen.
Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch kulturelle Projekte und Gemeinschaftsveranstaltungen, wie die Durchführung von Kabarettabenden, Konzerten und Bürgernachmittagen zur Förderung der örtlichen Gemeinschaft.
Weiterhin engagiert sich die Kulturgemeinschaft in der Kinder- und Jugendarbeit und ist Träger eines Mädchen- und neuerdings auch eines Jungentreffs.
Bleibt zum Schluss nur noch zu sagen, dass jede Tätigkeit in der und für die Kulturgemeinschaft selbstverständlich ehrenamtlich wahrgenommen wird.

Lahde, einst und jetzt

Liebe Lahderinnen und Lahder,

haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, wie viele historische Gebäude und Bauwerke unsere Ortschaft Lahde in den letzten 40- 50 Jahren verloren hat?

Ich möchte Ihnen beim Aufzählen helfen:

Die alte Apotheke, Vor der Reihe

Die beiden Denkmäler am Bismarckplatz,

das alte Forsthaus,

das Hotel und Gaststätte Tonne,

die Lindenallee an der Loher Str. vor wenigen Monaten.

    

Die alte Apotheke wurde abgerissen wegen eines Verkehrsengpasses, hier konnte nicht einmal der Spruchbalken des Hauses beim Abbruch gerettet werden.

 

Das Hotel und Gaststätte Tonne wurde durch einen Brand vernichtet.

 

Das alte Forsthaus war ein Spekulationsobjekt und fiel trotz mehrer eingeforderter Erhaltungsmaßnahmen in sich zusammen. Ein Brand vernichtete die Reste, die nur noch abgerissen werden konnten. Selbst die Scheune war nicht mehr zu retten. Die historische Mauer ist aufgebrochen, um den neu entstehenden Parkplatz der Zahnarztpraxis erreichbar zu machen. Dadurch soll die Verkehrssituation an der Schillerstraße entschärft werden.

 

Die beiden Denkmäler auf und neben dem Bismarckplatz mussten weichen, weil sie der Neugestaltung des Bismarckplatzes im Wege standen.

 

38 Lindenbäume wurden an der Loher Str. gefällt, weil sie dem stark zunehmenden Verkehr im Wege standen. Sie waren 56 Jahre alt geworden und kerngesund. In der Ratssitzung vom 2.2.1950 wurde ihre Anpflanzung auf Vorschlag des damaligen Bürgermeisters Huxoll beschlossen. Im Ratsprotokoll hieß es: Auf Antrag wird mit 6 Stimmen beschlossen, 100 Stück kleinblättrige Linden zur Bepflanzung der Loher Str. durch die Amtsverwaltung bestellen zu lassen. Jetzt kann der Verkehr noch ungehinderter und schneller die Loher Str. befahren. Der Alleecharakter der Straße ist dahin. Da die Loher Str. in der Vergangenheit von der Dorfstraße zu einer Kreisstraße geworden ist, führte der Bauhof des Kreises die Fällungsarbeiten durch.. Der Kreis hat zwar die Neuanpflanzung von Linden veranlasst, wie lange aber wird es dauern, bis ein ähnliches Straßenbild entstehen wird. Viel schlimmer für die Einwohner wird die Situation, wenn die Bahn AG den natürlichen Schallschutz durch die Fällung der auf ihrem Gelände stehenden Bäume wie geplant und bereits markiert durchführen lässt.

Andere Städte und Kommunen versuchen eine intakte Umwelt und ihre historischen Gebäude und Denkmäler zu erhalten. In Lahde stimmen wir dem Fortschrittlichkeitsdenken kommentarlos zu. Schade, meine ich. Fortschritt muss vor Erhaltenswertem zurückstehen. Man muss nach Alternativen suchen und nicht den einfachsten Weg gehen.

Gott sei Dank hat der Kirchbauverein Lahde die richtigen Zeiten erkannt und versucht die Lahder Kirche mit seinen gesammelten Spenden zu erhalten. Dafür hat er viel zu wenige Mitglieder. Wir werben touristisch mit dem einmalig in Deutschland vorkommenden Ensemble Kirche und Wind-Wassermühle. Werden sich die Lahder einbringen, wenn es um den Erhalt der Mühle geht, oder werden sie sich dem Fortschrittsgedanken hingeben und stillhalten, wenn ein weiteres historisches Highlight der Gemeinde Lahde verschwindet? Machen Sie mit, wenn es zur Gründung einer Mühlengruppe Lahde kommt!

Herausgeber: Ortsheimatpfleger Willhelm Gerdes mit Unterstützung der Kulturgemeinschaft Lahde

Die Geschichte der Realschule Lahde

1966 plante die Gemeinde Lahde die Errichtung einer Realschule. Innovativ war der Gemeinderat Lahdes schon immer. Begünstigt auch durch die Finanzmittel des Kraftwerkes. 1954 war ein neues Volksschulgebäude an der Schulstr. eingeweiht worden. Als von der Bezirksregierung in Detmold die Genehmigung erteilt worden war, sollte es schnell gehen. Es musste eine Übergangslösung gefunden werden. So wurden an das Volksschulgebäude zwei Pavillonklassen gesetzt. 

Es wurden zwei Eingangsklassen gebildet. Die ersten Lehrer waren Herr Nolting und Frau Becker, als Schulleiter wurde Herr Brinkmann berufen. Da die Schule schnell wuchs, wurden kurze Zeit später drei weitere Klassenräume aufgestellt, der eine Raum wurde als Naturwissenschaftsraum hergerichtet, in dem auch physikalische Experimente an einem Experimentiertisch durchgeführt werden konnten. 

1969 begann man mit dem Aufbau eines neuen Realschulgebäudes auf der anderen Seite des Bultweges. In dieses Gebäude zog dann auch die 1969 gegründete Grundschule, da die Realschule im Wachsen begriffen, noch nicht alle Klassenräume benötigte. In der alten Volksschule verblieb die aus der alten Volksschule hervorgegangene Hauptschule, bis auch sie ein eigenes neues Gebäude neben der Realschule bekam.

1972 zog die Grundschule über den Bultweg zurück in das ehemalige Volksschulgebäude und wurde damit auch Nutznießer der Pavillonklassen. Sie waren viele Jahre normale Klassenräume, wurden aber im laufe der Jahre zu Nebenräumen wie Werkraum und Musikraum degradiert. Später zogen schulferne Gruppen in sie ein, die vor allen Dingen nachmittags und abends die Räumlichkeiten nutzten. Musikschule, Mädchentreff und Probenraum für den Jugendchor hießen die Nutzer. Der Zahn der Zeit hatte sehr an der Bausubstanz genagt. Die Fußböden waren teilweise durchgefault, die Flachdächer undicht. Ständig regnete es irgendwo durch. Die Neonlampen fielen teilweise während des Unterrichts von den Decken. Auch das verwendete Baumaterial kam immer häufiger in die Kritik. Asbestplatten waren verarbeitet worden. Die Sorge der Schulleitung und der Eltern wurde Rechnung getragen und es wurden Raumluftmessungen durchgeführt, die aber keine Feststellung von Schadstoffen erbrachte. Mit dem Ersatzbau für die abgängigen Pavillons an dem Haupthaus 1996 war ihr Schicksal besiegelt. Weil ihre Beseitigung mit großem Aufwand betrieben werden musste und sehr teuer war, wurde die Entfernung immer weiter herausgezögert. In den Sommerferien 2006 rückte dann eine Abrissfirma aus Hannover spezialisiert auf Asbestentsorgung mit schwerem Gerät an. Nach 40 Jahren ständiger schulischer Nutzung wurden die Pavillons, die der jetzige Schulleiter der Grundschule als Barackentrakt bezeichnete, entfernt. In ihnen waren viele Schüler zu Haus: Die ersten Realschüler, die 9. Schuljahre, die als Mittelpunktschule von den Schülern aus Lahde, Frille, Quetzen, Gorspen-Vahlsen, Wietersheim, Bierde, Ilserheide und Raderhorst gebildet wurden, und Generationen von Grundschülern. So ist ein Stück Lahder Schulgeschichte beendet.

   

Herausgeber: Ortsheimatpfleger Wilhelm Gerdes mit Unterstützung der Kulturgemeinschaft Lahde

Die Kirche zu Lahde

 

Liebe Lahderinnen und Lahder,

Geschichte kann spannender sein als ein Krimi. So erging es mir, als ich vor einigen Tagen Akten aus dem Archiv der Stadt Petershagen holte und darin las. Mir fiel dabei ein Gutachten über den baulichen Zustand der Kirche zu Lahde bei Minden ( Westfalen) auf, das im Jahre 1890 erstellt wurde.

Nun muss man sich erinnern, dass die jetzige Lahder Kirche 1892 - 95 erbaut ist. Das damalige Gutachten möchte ich Ihnen vorstellen:

Die Kirche zu Lahde (Westfalen) ist ursprünglich ein romanisches Bauwerk, etwa im 11. Jahrhundert erbaut, dasselbe ist jedoch im laufe der Jahrhunderte oftmals umgebaut, so dass die ursprüngliche Bauart nur noch an Teilen des Turmmauerwerks zu erkennen ist. Besonders ist die Kirche wohl im 17. Jahrhundert um etwa die Hälfte nach Osten zu vergrößert und die westliche Empore, sowie auch die auf der Nordseite befindliche Empore eingebaut. 

Das Gebäude ist ein einfaches Langhaus, 28 Meter lang und 9 Meter breit, nach Westen zu mit einem ca. 35 Meter hohem Turm. Es sind drei Eingänge, ein Eingang von der Westseite und zwei Eingänge von der Nordseite vorhanden.

Das Mauerwerk ist aus Bruchsteinen, bei Reparaturen teilweise mit Ziegelsteinen hergestellt. Die westliche Hälfte des Kirchenschiffs hat eine einfache gerade Holzdecke, indem auf die Balkenlage Bretter genagelt sind. Die östliche Hälfte des Kirchenschiffes hat eine gewölbte Holzdecke.

Die Dachkonstruktion ist aus Eichenholz gefertigt. Als Dachdeckung sind zur westlichen Hälfte des Daches Steinplatten genommen, während die östliche Hälfte mit Dachziegeln eingedeckt ist.

Die Kirche ist nicht in gutem baulichen Zustande, jedoch nach Abhilfe von Mängeln und bei genügenden Vorsichtsmaßregeln ohne Lebensgefahr noch zu gottesdienstlichen Gebrauch zu benutzen, falls nicht sehr stürmisches Unwetter besonders durch die Zerstörung des Daches, die Unbrauchbarkeit des Gebäudes herbeiführen würde.

Die äußeren Umfassungswände haben, durch die mehrfachen Umbauten und auch besonders durch das Eindringen des Dachwassers in die Fundamente mehrfach Risse erhalten, welche schon öfter nachgebessert sind.

Das Dach ist in einem reparaturbedürftigen Zustande. In der westlichen horizontalen Holzdecke, zugleich als Dachfußboden benutzbar sowie in dem Glockenfußboden im Turm sind einzelne Bretter teilweise angefault.

Die eingebauten Emporen, hauptsächlich die nördliche Empore, sind an mehreren Stellen von der Wand abgewichen, doch auch durch Stützen und Anker mehrfach gesichert. Die Ursache des weiteren Abweichens ist, dass die ursprünglich unter die Emporen gestellten Eichenholzständer am unteren Fußende teilweise ganz abgefault sind.

Zur weiteren gefahrlosen Benutzung des Gebäudes für den gottesdienstlichen Gebrauch ist notwendig herzustellen und jetzt angeordnet:

Das Gebäude ist in etwa 1,50 m Entfernung von den äußeren Umfassungswänden ( ausschließlich der Eingänge )abzusperren, um bei stürmischem Wetter sich am Gebäude zufällig aufhaltende Personen, gegen herabfallende Dachsteine zu schützen. Die beiden Eingänge an der Nordseite sind in Rücksicht hierauf auf etwa 1,30m Breite unterhalb der Dachtraufe, flach mit Bretten zu 

überdecken. das etwa zufällige Betreten der Decke ( Dachfußboden )von Personen ist durch gute Absperrung des Dachbodens zu verhindern. 

Die Fußbodenlagen im Turme sind gut nachzusehen und alle schadhaften Bretter durch neue Bretter zu ersetzen. Bei den Emporen sind die angefaulten Fußenden von den Eichenholzständern abzuschneiden und unter die Ständer genügend große Sandsteine aufs Fundamentmauerwerk zu legen. Dann sind an einzelnen Stellen unter den Emporen noch Stützen zu stellen und an einzelnen Zugverbindungen zur größeren Sicherheit noch Anker und einzelne Winkel anzubringen. 

Diese Angaben sind an Ort und Stelle festgestellt Hannover, den 4. Dezember 1890 

A. Kersten 

 

Architekt 

Soweit das Gutachten des Architekten. Es wurde durch eine polizeiliche Anordnung im Zwangsverfahren dem Presbiterium der Kirchengemeinde Lahde 1890 durch den Polizeidiener Herbig zugestellt. Entgegengenommen und den Empfang bestätigt hat Pastor Obloh. Im weiteren Schriftverkehr mit dem Amtmann Christiani wird dann auch auf die häufige Überfüllung der Kirche bei Gottesdiensten hingewiesen. 

Das bauliche Gutachten hatte der Landrat des Kreises, der mit der Schließung der Kirche durch die Sicherheitspolizei drohte. Einwände des Pastor Obloh, der Kirchmeister würde den Zustand des Gebäudes überprüfen ließ die Behörde nicht gelten. In einem Schreiben vom 2. April 1891 teilte Pastor Obloh mit, dass die geforderten SicherheitsmaBnahmen erfolgt sind.

Nicht allein die Enge der Kirche war- wie bisher erklärt und auch noch in dem 1997 erschienenen Buch Soli deo gloria zur 100 Jahr Feier der jetzigen Kirche in Lahde behauptet, war der Grund für den Abriss der fast 800 Jahre alten Kirche, sondern auch der schlechte bauliche Zustand. Ironie des Schicksals: Der Architekt, der den Abriss der alten Kirche durch sein Gutachten entschied, durfte den Neubau der Kirche entwerfen und überwachen. 

Nachtrag: Die Stein platten vom Dach der alten Lahder Kirche wurden im Keller des 1894 erbauten Hauses von Karl Schwier neben der Kirche als Fußbodenplatten verlegt. 

Herausgeber: Ortsheimatpfleger Wilhelm Gerdes mit Unterstützung der Kulturgemeinschaft Lahde 

 

Lahde, einst und jetzt (Ausgabe 25) April 2008

Liebe Lahderinnen und Lahder,

haben Sie sich genauso wie ich nicht über die Lage des Lahder Friedhofs gewundert? Weshalb hat man den Friedhof mitten ins Dorf an die viel befahrene Hauptstraße (Bahnhofstr. ) gelegt? Gab es keinen geeigneteren Ort ?

Sie müssen sich den Ortskern von Lahde um 1840 vorstellen. Er lag rund um die Kirche bis in die Fährstr. und Vor der Reihe hinein. Bei Römke, Bahnhofstr.,  hörte die kompakte Bebauung auf.

Richtung Osten hatten einige Neubauern gesiedelt. Lahde hatte damals 529 Einwohner. Bestattet wurde rund um die Kirche. Die Gemeindemitglieder kamen aus Lahde, Bierde, Quetzen, Ilserheide, Gorspen-Vahlsen und Raderhorst. Bierde hatte 350, Gorspen - Vahlsen 275, Ilserheide 360, Quetzen 359 und Raderhorst 318 Einwohner.

Da Gorspen - Vahlsen und Ilserheide auch teilweise zur Kirchengemeinde Windheim gehörten, besaß die Kirchengemeinde Lahde 1900 Personen. Der Friedhof rund um die Kirche war zu klein geworden. Der Schullehrer und Küster Knipa zu Lahde hat bei mir angezeigt, dass der Friedhof von zu geringem Umfang sei, weshalb es jetzt schon an Begräbnisplätzen fehle und hat darauf angetragen, dass derselbe vergrößert und sodann die Beerdigung auf der Reihenfolge eingefiihrt werden möge. Sie werden daher zur Untersuchung dieser Beschwerde und zur Berichterstattung binnen 4 Wochen aufgefordert, schreibt die Abteilung des Innem König!. Preußische Regierung Minden d. 11. November 1807. Alle Gemeinden bestatteten hier.1827 heißt es in einem weiteren Schreiben: Die Vergrößerung des Kirchhofs in Lahde und die Genehmigung der Erbbegräbnisse. Die Bevölkerung hat stark zugenommen durch Heuerlinge und Neubauern, deshalb ist die Fläche des Friedhofs nicht mehr ausreichend. Die Gemeinde suchte ein Grundstück für einen neuen Friedhof. In Lahde  fand die Beerdigung vom Trauerhause aus statt. Dazu wurde der Sarg auf der Diele des Hauses aufgebahrt. Der erste Lehrer hielt die Hausandacht und nahm auch die Aussegnung vor.

Danach wurde der Sarg auf einem Leiterwagen später auch mit dem Leichenwagen auf dem Kerkweg zum Friedhof Lahde gebracht. Mit Kerkweg meinte man den Weg, den die Familie zum Kirchgang benutzte. Angehörige und andere Trauergäste begleiteten den Trauerzug. Am Friedhofseingang erwartete der Pastor den Trauerzug und nahm das Begräbnis vor. Das Zeichen zum Läuten der Kirchenglocke wurde durch ein sichtbares Zeichen vom Friedhof aus gegeben.

Bei jeder Beerdigung läutete die Totenglocke vom Turm der Kirche. Das Läuten oblag dem Küster.

Kinder durften nicht läuten, weil die Arbeit zu schwer und zu gefährlich war. Der Küster konnte diese Aufgabe aber delegieren. 1833 hatte Küster Althoff diesen Dienst an seine Magd abgetreten.

Die Gemeinde Bierde erhielt 1911 einen eigenen Friedhof. Die Gemeinde Quetzen erhielt 1943 einen eigenen Friedhof.

Die Gemeinde Raderhorst erhielt 1941 einen eigenen Friedhof.

Die Gemeinde Gorspen- Vahlsen erhielt 1955 einen eigenen Friedhof.

Die Gemeinde Ilserheide erhielt 1954 einen eigenen Friedhof.

Die ältesten im Herbst 2007 aufgefundenen Grabsteine auf dem Lahder Friedhof sind:

Friederike Wilhelmine Nahrwold geb Meyer geboren 27, August 1826 gestorben am 18, Februar 1847

Hier ruht in Gott unser liebes unvergeBliches Kind Helene Nahrwold geboren2. August 1893 gestorben 10. Dezember 1899

Quellen:Soli Deo Gloria 100 Jahre Kirche zu Lahde


Gemeinderatsprotokoll aus dem Jahr 1882:


Schule und Lehrer

Politik bestimmt nicht nur heute unser Leben. Die Politiker beschließen Gesetze, die unser aller Portemonnaie betreffen. Rente mit 67 Jahren, leere Staatskassen, Mehrwertsteuererhöhung auf 19% ab 2007 USW. Politik bestimmt auch auf unterster Ebene in der Stadt Petershagen unser Leben. Bis 1972 bestimmte die Politik in den örtlichen Gemeinden ( Gemeinderat) das Geschehen.

Das Protokollbuch des Gemeinderates Lahde, von mir wiedergefunden auf dem Boden bei Schopmäs (Wilhelm David) von 1844 bis 1893 gibt uns einen eindrucksvollen Einblick in das politische Geschehen des 19. Jahrhunderts. Ich möchte Ihnen in den nächsten Ortsheimatpflegerblättchen einen Eindruck davon vermitteln.

Es geht um die Einrichtung einer zweiten LehrersteIle in Lahde und um die Erweiterung der Schule um einen zweiten KJassenraum. Die Lahder Schule befand sich an der Straße An der Kirche. Sie wurde nach dem Neubau an der Nienburger Str. abgerissen. Honecks an der Bahnhofstr., jetzt Peter Ruhe, ehemals Heinrich Rötger, soll die Klinkersteine der ersten Lahder Schule bei seinem Neubau verwandt haben. Ob es der Ort der ersten Schule in Lahde war, ist zu vermuten.

Actum

Lahde, den 14. August 1882

Der ordnungsmäßig ergangenen Einladung zufolge waren die Mitglieder der hiesigen Schul- und Gemeindevertretung heute hier versammelt und gaben auf Mitteilung der Verfügung König!. Regierung vom 12. Juli Nr. 1217 die Errichtung einer zweiten Lehrerstelle in Lahde betreffend und nach stattgehabter Beratung folgende Erklärung ab.

Die hiesige Schule ist in den letzten Jahren nach den Schulgeldhebekisten durchschnittlich von 130 bis 150 Kindern besucht, von denen in der Regel 15 der Ortschaft Loh angehören, die bei Lahde eingeschult sind und zumal in winterlicher Zeit einen weiten und bei Regen ,Frost und Schnee beschwerlichen Schulweg von % Stunden zurückzulegen haben.

Kann künftig die Gemeinde Gorspen-Vahlsen, wozu Loh gehört, aus der 15 Kinder die Schule zu Lahde, 10 Kinder die Schule zu Ilserheide, 45 Kinder die Schule zu Ilse in der Regel besuchen, mal einen besonderen Schulformrat bilden, gegebenfalls eine eigene Schulgemeinde gründen sollte, dann würde die Schülerzahl in Lahde auf 120 sich reduzieren. Auch abgesehen hiervon ist die Schülerzahl hierselbst zur Zeit nicht übergroß und unseres Erachtens ein Lehrer noch wohl im Stande, dieselben allein zu übersehen und zu unterrichten, während auf2 Lehrer nur je 65 Kinder fallen würden. Lehrer war damals Lehrer Dedecke junior.

Die Kirchengemeinde Lahde hat erst in den Jahren 1880/81 den Neubau eines Kantorhauses zu Lahde aus:fi1hren und zur Deckung der Kosten jetzt eine 9 monatliche Staatssteuer Grund-,Gebäude-,Klassen-und Einkommenssteuer aufbringen müssen, wodurch die Baukosten noch nicht völlig gedeckt sind. Außerdem ist speziell die Gemeinde Lahde in dem chausseemäßigen Ausbau der Straße von Lahde über Bierde und Raderhorst nach Wiedensahl begriffen, welche Kosten für ihren Teil allein 15400 Mark veranschlagt sind, der erst im Jahre 1883 vollendet werden wird.

Die Kosten hierzu müssen angeliehen und demnächst durch Umlage auf die Gemeindeglieder nach Maßgabe der vierten Staatssteuer aufgebracht und zusammen abgetragen werden.

Soll die Gemeinde Lahde nun nicht in anfangs und zukunftsfähigen Stande gestört werden, dann müssen König!. Regierung dringend darum bitten, von der Errichtung einer zweiten Lehrerstelle und Herstellung eines zweiten Klassenraumes solange Abstand zu nehmen, bis die Zahl der Schüler auf 150 steigt und die Chausseebaukosten völlig gedeckt sind.

Anwesend waren:Amtmann Christiani Vorsteher Schwier

Gemeindeverordnete: Nahrwold, Lange, Tonne, Hübel Schulvorsteher: Gieseking, Pohlmann

es fehlte :Rieksmeier

Aktum

Lahde, den 2. Oktober 1882 .

In der heutigen Versammlung der hiesigen Schul- und Gemeindeversammlung, zu welcher der

ordnungsmäßigen Einladung zufolge die unten aufgeführten Mitglieder sich eingefunden hatten,

wurde die Verfügung des Königl. Landratsamtes vom 11. September N 8216 der Errichtung einer zweiten Lehrerstelle hierselbst betreffend mitgeteilt und sodann folgende Erklärung abgegeben. Zunächst sind wir gezwungen, die in der Verhandlung vom 14. August ausgesprochene Bitte um

Genehmigung eines Ausstandes mit der Errichtung einer zweiten Lehrerstelle hierselbst wenigstens

so lange, bis die gegenwärtig im Bau begriffene Chausseeanlage von hier über Bierde und Raderhorst nach Wiedensahl vollendet und die Baukosten, die fast ganz von der Gemeinde angeliehen, verzinst , und demnächst suczessive durch Umlage auf die Gemeindeglieder wieder aufgebracht werden· .. , müssen, zum größten Teile gedeckt sind, hiermit dringend zu wiederholen, welcher Bitte um so mehr zu entsprechen sein dürfte, als die Zahl der Kinder in hiesigem Jahr nicht sehr groß und der zeitige Lehrer noch recht rüstig, dieseIben daher allein zu unterrichten unseres Erachtens noch vollkommen  im Stande ist. Müsste die hiesige Schulgemeinde schon jetzt zur Errichtung einer zweiten Lehrerstelle schreiten, so würde dadurch die Leistungsfähigkeit der Schulinteressenten, wie wir bereits in unserer Erklärung vom 14. Oktober hervorgehoben haben, zu sehr angestrengt.

Passende Räumlichkeiten zur Errichtung eines zweiten Klassenzimmers sind im hiesigen Orte nicht vorhanden. Sollte aber absolut auf die Errichtung einer zweiten Lehrerstelle und Beschaffung der

dazu erforderlichen Räumlichkeiten von höherer Behörde bestanden werden, dann würde es

erübrigen, zunächst ein neues Schulhaus! Klassenzimmer und Wohnung für den zweiten Lehrer

durch Anbau herzustellen, wozu dann nur der der jetzigen Schule gegenüberliegende Platz würde in Aussicht genommen werden können, oder zu erwägen sein, ob das jetzige Schulhaus nicht durch Ausbau sich verlängern bzw. vergrößern ließe, wenn der angrenzende Colon Helle zur Abtretung der dazu erforderlichen Grundfläche sich verstehen wolle.

Anwesend waren: Amtmann Christiani Vorsteher Schwier

Gemeindeverordnete: Nahrwold, Tonne, Lange, Hübel, Rieksmeier

Schulvorsteher: Pohlmann, Gieseking

Es fehlte: Pastor Obloh

 

Herausgeber: Ortsheimatpfleger Wilhelm Gerdes mit Unterstützung der Kulturgemeinschaft Lahde

1883: Schulwesen in Lahde

Liebe Lahderinnen und Lahder,

im letzten Ortsheimatpflegerblättchen habe ich versucht, Ihnen das politische Denken und Handeln unserer Altvorderen nahe zu bringen. Mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchten sie, den Schulneu -oder Anbau zu verhindern. Es nutzte ihnen aber kein Argument. Die preußische Regierung bestand auf der ihrer Meinung nach notwendigen Maßnahme. Verfolgen Sie bitte mit mir das weitere Geschehen, wie es in dem alten Protokoll buch dokumentiert ist.

Actum Lahde, den 11. Januar 1883

Auf ordnungsmäßige Einladung hatten sich die unten genannten Mitglieder des hiesigen Schu1- und Gemeindevorstandes auf hiesiger Amtsstube eingefunden und gaben nach wiederholter Mitteilung der wegen der Errichtung einer zweiten Lehrerstelle ergangenen Verfügung Königlicher Regierung vom 18. November N 1874 RMI folgende Erklärung ab:

Bei unseren Beschlüssen am 14. August und 3. Oktober d. J. müssen wir auch jetzt noch beharren und unsere Bitte unter den angeführten Gründen von der Errichtung einer zweiten Lehrerstelle hierselbst vorläufig noch Abstand zu nehmen, hiermit wiederholen. Da Königl. Regierung aber unseren Wünschen nicht entsprechen zu können glaubt, so wollen wir zunächst direkt bei dem Herrn Minister dieserhalb vorstellig werden, bis zu dessen Entscheidung diese Angelegenheit wenigstens zu stoppen sein dürfte. Übrigens wollen wir hierbei noch besonders hervorheben, dass, wenn die bei Lahde eingeschulten Kinder aus Loh einer der benachbarten und ihnen näher liegenden Schulen in 11se oder Ilserheide dem Benehmen nach von Königl. Regierung zugewiesen werden sollten, die Schülerzahl in Lahde sich auf etwa 120 reduzieren und dann die Errichtung einer zweiten Lehrerstelle in Lahde noch weniger notwendig sein würde.

Anwesend waren: Amtmann Christiani

Vorsitzender: Vorsteher Schwier. Gemeindeverordnete: Hübe~ Tonne, Nahrwold, Pastor Obloh Schulvorsteher: Gieseking, Pohlmann

Es fehlten: Lange, Rieksmeier

 

Actum

Lahde, den 6. Juli 1883

Der ordnungsmäßigen Einladung zufolge waren die Mitglieder der hiesigen Schul- und Gemeindevertretung heute hier versannnelt und faßten auf die ihnen bekannt gemachte VerfUgung Königliche Regierung vom 16. Juni aN 1092 I RFM wegen des Neubaus eines zweiten Schulhauses in Lahde folgenden Beschluß.

Wir wünschen, daß auf dem der Gemeinde Lahde zugehörigen Grundstück Flur 2 Nr. 128 das Klassenzimmer zunächst auf dem nördlichen Ende erbaut, in welchem der Lehrersitz so angebracht wird, daß die Kinder den Lichteinfall zur rechten Hand haben. Dann kann sich die Wohnung für den zweiten Lehrer mit Stube und Kammer und Utensilienraum daran schließen.

Sodann bitten wir besonders darum zu gestatten, daß das Gebäude im länglichen Viereck unter einem Dache schon der besseren Unterhaltung des Daches wegen, erbaut werden kann. Die dann südlich freibleibende Grundfläche wünschen wir für künftige Fälle requiriert zu sehen, auf welcher später auf Erfordernis dann ein zweites Klassenzimmer angebaut werden könnte. Dieselbe einstweilen als Turn- und Spielplatz genutzt werden kann.

Zu der hiernach anderwärts angefertigten Skizze bitten wir die Genehmigung Königl. Regierung erwirken zu wollen als wir ein vollständiges Bauprojekt ausarbeiten lassen

Die circa 4500 Mark betragenden Baukosten sollen demnächst nach Maßgabe der direkten Staatssteuer Grund- Gebäude- Klassen- und Einkommenssteuer auf die Schulinteressenten repartiert und zwar derart aufgebracht werden, daß dieselben in 4 Jahren vollständig wieder abgetragen sind. Während der Bauzeit sollen dieselben entweder von Privatgebern oder bei der Kreissparkasse Minden zu 4 1/2 % angeliehen werden.

Anwesend waren:

Amtmann Christiani Vorsitzender Vorsteher Schwier Gern. Verord. Rieksmeier

Hübel

Tonne

Nahrwold Schulvorsteher Pohlmann Gieseking

Es fehlten

Pastor Obloh Lange

Auswanderer aus Lahde

Das 19. Jahrhundert war für die Entwicklung Deutschlands ein sehr spannendes aber auch bedeutendes Jahrhundert. Bis dahin hatten sich 41 Kleinstaaten im heiligen römischen Reich deutscher Nationen mehr oder weniger zusammengeschlossen. Es reichte von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt. Es wurde nicht überall deutsch gesprochen, jeder Kleinstaat hatte seine eigenen Grenzen und Zollbestimmungen. So war Petershagen-Lahde preußisch, Cammer und Frille zum Teil hannoversch., also Ausland. Die Bestrebungen zu einem großen Ganzen setzten in der Nationalversammlung in Frankfurt 1849 ein und gipfelten in den Revolutionen, die darauf folgten. Neben der Abschaffung der Kleinstaaten nahm die Bevölkerung schnell zu. Während 1790 in Preußen erst 21.000.000 Bürger lebten, waren es 1914 bereits 67.700.000. Die Jugendsterblichkeit hatte abgenommen, es hatte Fortschritte in der medizinischen Versorgung gegeben und die hygienischen Verhältnisse hatten sich verbessert. Gleichzeitig gab es auch eine Bildungsreform. Die allgemeine Schulpflicht wurde in Preußen eingeführt. 1870 wurde das staatliche Schulsystem eingeführt, das das humanistische Gymnasium, das Realgymnasium und die Volksschule vorsah. Die Lehrerausbildung wurde verbessert. Dazu kam die industrielle Revolution. Es ging weg von den Manufakturen hin zu den Fabriken. Dampfmaschinen brachten technischen Fortschritt. Das Kapital regierte. Die Ausbeutung der Arbeiter begann. Die Zahl der arbeitenden Menschen verringerte sich. Es gab mehr Menschen als Arbeit. Es kam zu einer allgemeinen Verarmung der Menschen. (Pauperismus ) Perspektivlosigkeit machte sich breit. Viele sahen daher nur einen Weg in der Auswanderung nach Amerika, das die erste wirtschaftliche Blüte erlebte. Erika Kassler, ihr Mann Reinhard und ich haben in Archiven versucht, die Namen der Menschen zu erfassen, die in der Zeit von 1830 - 1890 das Dorf Lahde verlassen haben, um in der Fremde sich eine neue Existenz aufzubauen.

 Buschhorn, Rudolf geb. 10.6. 1852 Kommis ausgew. 1871 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 12

Dannenberg, Heinrch Gottfried geb. 23. 11. 1832 ausgew. J 856 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 984

Deerberg, Chr. Anton geb. 10.3.1887 Knecht ausgew. 1903 Nord Amerika Staatsarchiv Detmold Ml/a171

Deventes, Heinrich geb. 4. 11. 1827 ausgew. 1857 Fürstentum Schaumburg Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 166

Deterding, W. 24 Jahre ausgew. 1852 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 984

Doehrmann, Karl Fr. W. geb. 26. 8. 1874 Ackersmann ausgew. 1903 Nord Amerika Staatsarchiv Detmold Ml/A171

EImers, Heinrich Fr. Gottlieb geb. 15.8. 1852 ausgew. 1868 Amerika Staatsarchiv Detmold Ml/C406

Ernsting, Heinrich W. geb. 22.1. 1831 ausgew.1853 Staatsarchiv Detmold MlIC401

Ernsting, W. 23 Jahre ausgew. 1854 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 984

Franke, Ernst Dietr. geb. 12.2. 1872 Schneider ausgew. 1890 Nord Amerika Staatsarchiv Detmold MI/ A168

Fricke, W. Fr. geb. 17. 11. 1838 ausgew. 1865 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 125

Gieseking, … ausgew. 1850 Nord Amerika

Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 984 mit Ehefrau und Kindern

Gieseking, CarI Dietr.         geb. 19.2. 1869             Arzt ausgew. 1894 Belgien

Staatsarchiv Detmold MV A170

Gieseking, Carl Fri. 32 Jahre Landmann ausgew. 1862 Kurfürstentum Hessen Staatsarchiv Detmold Ml/A 104

Glißmann, AmaIie, Friederike geh. 25. 4. 1854 ausgew. 1870 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 12

Glißmann, Carl Dietr. geb. 29. 9. 1864 ausgew. 1881 Nord Amerika Staatsarchiv Detmold Ml/A160

Glißmann, Christine, Wilhelmine geh. 24. 9. 1864 ausgew.1888 Nord Amerika Staatsarchiv Detmold M1/a167

Glißmann, Fr. Chr. geb. 1. 12. 1826 ausgew. 1845 Amerika Staatsarchiv Detmold Ml/C394

Glißmann Heinrich geb. 10. 8. 1866 Knecht ausgew. 1884 Nord Amerika Staatsarchiv Detmold M1/a164

Greebe, Louis Adolf geb. 6. 5. 1846 ausgew. 1867 Staatsarchiv Detmold Ml/C 406

Großmann, Fr. W. Geh. 30. 12. 1797 Staatsarchiv Detmold MlIC367 ausgew. 1814

Großmann,     Klempner ausgew.1835

Kirchenchronik Lahde  Amerika


Heine, Johann August geb. 17. 11. 1847 ausgew. 1872 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 12

Helbig, Borchard Hinrich geb. 31. 1. 1775 Schmied Nr. 44 ausgew. 1835 Amerika Kirchenchronik Lahde

mit Anne Marie Sophie geb. Riechmann geb. 10. 8. 1798

Herbig, Charl. Wilh. Louise geb. 1. 10. 1850 Nr. 61 ausgew. 1868 Nord Amerika Antrag Amt Windheim vom 28. 9. 1868

Herbig, Carl Fr. W. geb. 6. 11. 1841 ausgew. 1869 Nord Amerika Antrag beim Amt Windheim

Herbig, Friederike geb. 1845 20 Jahre ausgew. 1855 Nord Amerika Antrag beim Amt Windheim vom 29. 8. 1865

Hohmeier, Diedrich 70 Jahre Heuerling ausgew. 1865 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 125

mit Ehefrau und drei Kindern

Homeier, Carl Dietr. geh. 8. 7.1849 ausgew.1864 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 125

Homeier Chr. Fr. geb. 15.4. 1854 Ackersmann ausgew. 1885 Nord Amerika Staatsarchiv Detmold MV A165

Homeier, Heinrich Daniel geh. 2.11. 1846 ausgew. 1864 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 125

Homeyer, Carl Fr. geb. 9. 11. 1842 ausgew. 1861 Nord Amerika Fort Wayne Staatsarchiv Detmold Ml/C406

Homeyer, W. 23 Jahre Müller ausgew. 1902 Nord Amerika New York Stadt Minden F 1788

Humbke, Fr. 25 Jahre Landmann ausgew. 1888 Nord Amerika Stadt Minden F 1788

Jung, Anton Died. geb. 10.5. 1802 Kolon ausgew. 1854 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 984

mit Charlotte geh Meyer 51 Jahre

Friederike Wilhelmine geb. 19. 7. 1835

Jung, Anton Heim. geb. 19. 10. 1830         ausgew. 1850 Amerika

Staatsarchiv Detmold MlIC399

Jung, Christian 19 Jahre ausgew. 1850 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Nr. 984

Jung, Fr. W. geb. 18.9. 1828 ausgew. 1848 Amerika Staatsarchiv Detmold Ml/C396

Jung, W. 21 Jahre       ausgew. 1849

Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 984

Jung, W. 20 Jahre ausgew. 1849 Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 984

Kaiser, Karl Fr. Chr. geb. 3. 4. 1844 ausgew. 1862 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 125

Kaiser, Carl geb. 13.4. 1844 ausgew. 1869 Amerika Staatsarchiv Detmold Ml/C710

Kallendorf: August, Diedr. geb. 7. 5. 1829 ausgew. 1850 Amerika Staatsarchiv Detmold Ml/C398

Kallendorf, Carl Heinr. geb. 24. 5. 1832 ausgew.1854 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr 984

Kallendorf: ehr. geb. 4. 10. 1823     ausgew. 1845 Amerika

Staatsarchiv Detmold Ml/C392

Kalndorf, W.            20 Jahre ausgew. 1849

Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 984

Kaufmann, Died. 20 Jahre ausgew. 1847 Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr.984

Kaufmann, W. 27 Jahre ausgew. 1850 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 984

Kiel,         Heuerling bei Nr. 25 ausgew.1835 Amerika

Kirchenchronik Lahde

Klenke, Ernst Conr. geb. 2.10. 1835 Arbeiter ausgew. 1872 Nord Amerika Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr. 12

Kneuper, Georg             Apotheker ausgew. 1857 Amerika

Stadtarchiv Petershagen Amt Windheim Nr.126 mit Ehefrau und 7 Kindern

Köster, Karl geb. ca. 1803 51 Jahre geb. ca 1803 ausgew. 1854 Amerika Antrag beim Amt Windheim 1854

mit Ehefrau Louise geb Orange 44 Jahre Christine Louise geb. 5. 5. 1834 Louise geb. 16. 12. 1835

Anton Friedrich geb. 24.7. 1839 Sophie geb.29.5.1842

Marie geb. 23. 6. 1846

Leonore geb. 8. 11. 1848

Krömer, Karl geb. 30. 11. 1834 Tagelöhner ausgew. 1868 Nord Amerika

Kindergärten in Lahde

Im Trubel der täglichen Ereignisse werden oft Begebenheiten vergessen, an die man sich erinnern sollte, weil viele von Ihnen direkt oder indirekt davon betroffen waren. Vor einigen Tagen bekam ich den beruflichen Nachlass von Frau Irmgard Raabe, der langjährigen Kindergartenleiterin des evangelischen Kindergartens Lahde überreicht. Bei der Recherche nach den Kindergärten vor dem 1956 neu errichteten am Bultweg stieß ich auf diese beiden:

Dieser zuerst genannte Kindergarten stand Unterm Berge. Er wurde in der Polenzeit abgebrannt.

Später war der Kindergarten im Hause M. Heinz Bahnhofstr.26 untergebracht. Heute ein Privathaus. Davor war es ein öffentliches Gebäude. Nach dem Umbau nicht mehr erkennbar. Leider ist kein Foto auffindbar.

Im Juni 1956 wurde der neue evangelische Kindergarten am Bultweg eingeweiht. Dazu schreibt das Mindener Tageblatt:

Die Errichtung von Kindergärten durch die evangelischen Kirchengemeinden geschieht~ weil die Kinder, die hier betreut werden, getauft sind. In der heiligen Taufe hat der lebendige Gott seine Hand auf diese Kinder gelegt. Sie sind somit sein Eigentum geworden. Er will, dass wir ihm diese Kinder zuführen, und dazu sollen die Kindergärten mithelfen. So sagte Superintendent Hevendenhl am Sonnabendnachmittag bei der Einweihung des Kindergartens der evangelischen Kirchengemeinde Lahde. An der Feierstunde nahmen zahlreiche Ehrengäste, u.a. Landrat Wehking, Amtsdirektor Rahlmeier, Kreisoberinspektor Lorenz, Bürgermeister Lange, Mitglieder des Presbyteriums und des Rates der Gemeinde Lahde sowie das Lehrerkollegium teil.

Der Kindergarten darf ein Muster für spätere ähnliche Bauten im Kreisgebiet sein. Unter der Leitung von Architekt Wiethüchter, Bielefeld, ist im Lieblichen Tal ein Gebäude entstanden, bei der neueste Kenntnisse und Erfahrungen beim Bau von Kindergärten verwirklicht worden sind. Der betont niedrig gehaltene Dachstuhl schafft die Voraussetzung für die Gestaltung der Räume, die den verschiedenen Altersgruppen angepasst sind. Es ist an alles gedacht.

Zweckmäßige Spiel- und Tagesräume, modrne Toilettenanlagen und Badeeinrichtungen. Der große Spielsaal ist mit schallschluckenden Platten versehen, so dass kein größerer Lärm entsteht. Besonders hervorzuheben ist auch die Farbabstimmung in den einzelnen Räumen. Bei Regen ermöglicht eine überdachte Spielballe mit Sandkästen den Aufenthalt im Freien. Die Bauweise ist so erfolgt, dass mühelos der Plan~ ein Jugendheim und eine Schwesternstation anzubauen, verwirklicht werden kann. Die Finanzierung des Bauvorhabens - mit der Errichtung werden etwa 100000 DM erforderlich- geschieht im wesentlichen durch Zuschüsse des Landes- und des Kreisjugendamtes, der inneren Mission und des Kreissynodalverbandes. Der Rat der Gemeinde Lahde hat beschlossen, monatlich für die Unterhaltung des Kindergartens 300 DM beizusteuern.

Als Leiterin ist die staatlich geprüfte Kindergärtnerin Fräulein Susanne Kraft vorgesehen. Am Mittwoch soll der Kindergarten mit 60 Kindern praktisch die Arbeit beginnen.

Die Feier begann mit einem Vorspiel der Posaunen und mit dem Lied des Chores. Dann übergab Architekt Wiethüchter die Schlüssel an Pastor Georges. daran schloss sich eine Besichtigung.

Im Gemeindehaus entbot später Pastor Georges allen den Willkommensgruß. Vom Landeskirchenamt war ein Glückwunschschreiben eingegangen. Superintendent Hevendehl überbrachte die Glück- und Segenswünsche des Kirchenkreises Minden und der Gemeinde Lahde. Er legte seinen Gedanken das Bibelwort zugrunde: Mit deinem Mund hast du es geredet und mit deiner Hand hast du es erfüllt. Habe man erst daran gedacht, in der Gemeinde Bierde ein evangelisches Gemeindezentrum zu schaffen, um der ausgedehnten Gemeinde besser dienen zu können, habe man sich doch entschlossen, in Lahde diesen Kindergarten zu errichten, denn dem Verlangen der Gemeinde nach einem Kindergarten habe sich die Kirchengemeinde nicht verschließen können. Die Finanzierung sei nicht leicht gewesen. Mit dem Wunsche, dass dieses Haus eine Stätte des Segens werden möge, schloss der Superintendent seine Ausführungen.

Die Grüße des Landkreises Minden und des OKD überbrachte Landrat Wehking. Er hob die Gediegenheit, die Schönheit und die Zweckmäßigkeit dieses Hauses hervor, in dem die Kinder sich wohlfiihlen und durch das die Mütter großer Sorgen enthoben werden.

Amtsdirektor Rahlmeier zeigte sich von dem neuen Werk sehr beeindruckt und betonte das gute Übereinkommen zwischen der politischen und der kirchlichen Gemeinde, als es darum ging, Finanzierung und Unterhaltung des Kindergartens zu regeln.

Für das Lehrerkollegium sprach Lehrer Röttger. Hier sei eine soziale Tat geschehen, die ihresgleichen suche. Abschließend gab Pastor Georges noch einmal einen Bericht über die Vorgeschichte des Baues.

Frau Susanne Kraft blieb 5 Jahre lang die Leiterin des Kindergartens Lahde. Jährlich verfasste sie einen handgeschriebenen Tätigkeitsbericht. Die ersten Jahre waren geprägt von dem sich gegenseitig kennen lernen, die Mitarbeit der Mütter zu gewinnen und die Ausstattung des Kindergarten durch veranstaltete Tombolas zu vervollkommnen. 1961 verließ Frau Kraft den Lahder Kindergarten, um ein Studium für Sozialarbeit zu beginnen.

Die Kirchengemeinde Lahde übertrug das Amt der Leiterin dann an Frau Irmgard Raabe. Sie hatte ihre Ausbildung staatlich abgelegt und war zunächst in einer kinderreichen Pastorenfamilie im Harz beschäftigt. Dort wurde ihr dann auch die Leitung des örtlichen Kindergartens übertragen. In Lahde arbeitete sie bis 1983,

zuletzt als stellvertretende Leiterin in der KiTaLa Lahde. Dort wurde sie dann in den Ruhestand verabschiedet. Der Kindergarten Lahde ist heute das Domizil der anonymen Alkoholiker Petershagen.

Schriftverkehr "anno 1832"

Liebe Lahderinnen und Lahder,

andere Zeiten andere Sitten. So sagt man. Oder auch andere Zeiten andere Probleme. In den Akten, die die Stadtverwaltung Petershagen verwahrt werden, ist folgender Vorgang festgehalten:

Wohlgeborener Herr,

hochzuehrender Herr Cantons Beamter,

unterm 13. d. Monats habe ich den Vorsteher Kanne zu Quetzen schriftlich aufgefordert und gebeten, er möchte doch dafür sorgen, dass der Lahder Kirchhof, vor Meyer Nr. 1 seinem Hof zu Lahde, welche Stelle nach genauer Erkundigung von der Bauerschaft Quetzen zugemacht werden muss, befriedigt würde. Diese ist aber von gedachter Bauerschaft noch unbeachtet geblieben. Da nun alle Tage die Säue auf dem Kirchhofweiden und wühlen und das Weiden des Viehs auf Kirchhöfen von der Königlich Regierung sehr streng untersagt ist, so zeige ich Euch Wohlgeboren dies gehorsamst an und bitte zugleich, dass die offene Stelle des Lahder Kirchhofs, welche die Einwohnerschaft Quetzen zumachen muss, auf deren Rechnung baldmöglichst zugemacht wird. Zugleich zeige ich Euch Wohlgeboren auch noch gehorsamst an, welches ich zwar im vorigen Sommer schon mündlich getan habe, dass das Dach meiner Dienstwohnung sehr schadhaft ist, und es fast allenthalben durchregnet, dass der Fußboden sehr leicht faulen muss, wenn der Fehler nicht bald ausgebessert wird. So wie auch, dass in meinem Wohnzimmer ein neues eisernes Ofenrohr sein muss, indem das alte nicht mehr repariert werden kann. Ich glaube, am vorteilhaftesten wäre, wenn ein Rohr aus Gusseisen eingesetzt würde, weil diese dauerhafter sind als die aus Eisenblech. Auch diese Reparaturen meines Hauses wollen Eure Wohlgeboren gütigst veranlassen, dass solches spätestens vor dem Ende dieses Jahres gemacht würde.

Es empfiehlt sich Euer Wohlgeboren ergebenst

Ihr Schullehrer und Kantor Althoff

Lahde, dem 30. April 1832

Der Cantons Beamte Weishuhn mit Amtssitz in Aminghausen weist Maurermeister Herbig aus Lahde an, die Reparaturen des Wohnhauses des Kantors auszuführen.

Wenige Wochen später wird der Schullehrer und Kantor Althoff energischer und schreibt an Weishuhn:

Euer Wohlgeboren,

zeige ich hiermit gehorsamst an, dass die offene Stelle am hiesigen Friedhof noch nicht von den Beteiligten der Bauerschaft Quetzen eingefriedigt worden ist. Sie sollen hiermit verfügen, damit der Unfug auf dem hiesigen Gottesacker aufhört.

Hochachtungsvoll Euer Wohlgeboren ergebenst

Ahhoff

Lahde, 23. May 1832

Weishuhn beordert darauf den Polizeidiener Minden zum Vorsteher Kanne nach Quetzen, um sich die Namen derjenigen geben zu lasse, die am 16. des Monats um 9 Uhr die Reparatur bewerkstelligen sollen.

Die Quetzer weigern sich, die erforderliche Arbeit auszuführen. Sie hätten die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung und im übrigen keine Zeit. Als sich Lahdes Pastor Schmidt einschaltet und auf die jahrelange Tradition hinweist, dass Kirchhof und Pfarrgarten den Ortschaften des Kirchspiels als Aufgabe zuständen, weigern sich auch die Lahder Es wird dann eine Ortsbesichtigung anberaumt, bei der die Grenzen des Friedhofs und des Pfarrgartens neu und gerechter aufgeteilt werden sollen, Colon Meyer Nr. 1 und Colon Minnemann als Vertreter der Lahder Gemeinde stimmen nicht zu. Vorsteher Pohlmann versucht noch einen Kompromiss. Aber er scheitert auch.

Daraus ist eine 40 seitige Akte entstanden. Eine Lösung des vom Schullehrer und Kantor Althoff losgetretenen Problems wird nicht gefunden.

Auf die Idee, Colon Meyer Nr.l zu bitten, auf seine Schweine besser aufzupassen, ist niemand gekommen.

Das Handeln fürs Gemeinwohl war in der damaligen Zeit groß geschrieben. Es war selbstverständlich, dass jede Bauerschaft bei größeren Baumaßnahmen mit Hand -und Spanndiensten zur Verfügung stand. Der Ausbau und die Befestigung von Straßen wäre ohne diese Arbeiten nicht möglich gewesen. Die großen Vorhaben der damaligen Zeit: Straße von Lahde über Bierde nach Wiedensahl, Straße von Bückeburg über Quetzen über Lahde zur Weser, der Lahder Damm, Bau der Lahder Kirche 1893 usw. geschah auf diese Weise.

Selbst nach 1945 waren Hand- und Spanndienste bei Ausbau von Straßen noch selbstverständlich. Der Ausbau der Schulstraße in Lahde wurde so hergestellt. Jeder Einwohner von Lahde war zu seiner Mitarbeit aufgefordert. Die Amtsverwaltung überwachte diesen Dienst. Man konnte sich nur durch eine Zahlung von Geldbußen für nicht geleistete Arbeitsstunden freikaufen.

Bahnhof Lahde

Ca 80 Jahre später war eine andere Zeit. Man dachte nicht mehr an Schweine auf dem Friedhof und die Folgen daraus. Der Fortschritt hielt in Lahde Einzug. Die Eisenbahn kommt. 1921 wurde der Bahnhof in Lahde gebaut.

Beim Umbau des Bahnhofs im Jahre 2004 wurde die folgende briefliche Nachricht von der ausführenden Baufirma KDK geunden - es liest sich wie eine inoffizielle Grundsteinlegung:

Falls Sie diese Schrift nicht lesen können, hier die Deutung:

Lahde, den 24. Mai 19...

Dieser Bau ist gemacht von Meister Rodenbeck aus Lahde. Es arbeiten an diesem Bau die Zimmerarbeit Wilhelm Rippe mit seinem Sohn Fritz aus Quetzen, die Maurerarbeiten Herbig  Ilserheide, Graue Ilse, Witte Bierde, Brase Lahde, Büsching Ilserheide, Lange Lahde, Sackhoffski Lahde

Arbeiter Fritz R...g... Bierde, Fähling Lahde, Möhlenbrock Lahde, Sackhoffski Lahde

Herzlichen Gruss diesem Finder

Nachtwächter in Lahde

Natürlich gab es auch in Lahde , wie in den größeren Städten Nachtwächter, die die öffentliche Sicherheit herstellen sollten. Für das 19. Jahrhundert konnte ich zwei Personen in den Akten der Stadtverwaltung feststellen.

1840 Tüting Haus Nr. 48 1844 Neubauer Anton Jung

Der Nachtwächter wurde vom Gemeinderat gewählt und vom Vorsteher verpflichtet. Sein Nachtwächterlohn wurde einmal im Jahr zu Ostern aus der Gemeindekasse ausbezahlt.

Verpflichtung:

Nachdem der Neubauer Anton Jung zum Nachtwächter gewählt und auf Grund des §83 der LGO als solcher bestätigt worden, wurde demselben heute die Obliegenheiten als Nachtwächter bekannt gemacht wie folgt:

 A im Allgemeinen

Der Nachwächter Anton Jung muss sämtlich zur Beschützung und Abwendung jeder Gefahr, sei es an der Person oder an dem Eigentum eines jeden Dorfeinwohners bereit sein und vorzugsweise alle Nächte wachen und sich durch ein ordentliches Betragen die Zufriedenheit der Einwohner zu erwerben suchen.

B Im Besonderen

I Es muss der Nachtwächter in dem Zeitraum von Ostern bis Michaeli in jeder Nacht 5 Stunden, also von 10 Uhr abends bis 3 Uhr morgens und in den Wintermonaten, nämlich von Michaeli bis Ostern in jeder Nacht 6 Stunden und zwar von abends 10 Uhr bis morgens 4 Uhr im ganzen Dorfe selbst bis zu den entferntest liegenden Häusern herumgehen und seine Wachsamkeit durch dreimaliges Blasen auf dem Horne anzeigen.

II Jeden Fremden oder Verdächtigen muss derselbe sofort anhalten und wenn dieser sich über sein Vorhaben nicht vollständig legitimieren kann, sogleich zum Vorsteher führen.

III Findet derselbe jemanden auf schlechten Wegen, sei es in der Absicht zu stehlen, Brand zu stiften oder sonst ein Verbrechen zu begehen oder Unfug anzurichten, so muss der Nachtwächter solche Straftäter sogleich festhalten, wobei er sich gegebenenfalls schnelle Hilfe zu verschaffen hat. Solche Personen sind gleichfalls dem Vorsteher zu überliefern.

IV Bei Ausbruch eines Brandes ist es die Pflicht des Nachtwächters sofort Lärm zu machen und die Bewohner des Dorfes schleunigst zu wecken.

V Für seinen Dienst erhält der Nachtwächter Jung jährlich 13 Taler nach den Beschlüssen der Gemeindeversammlung

Es wurden dann dem Nachtwächter die Wichtigkeit und Gültigkeit eines Eides nach Anleitung der königlich gesetzlichen Verordnungen bekannt gemacht und sodann mit Abnahme des Eides wie folgt verfahren:

Ich Anton Jung schwöre zu Gott dem Allmächtigen und Allwissenden einen leiblichen Eid, dass nachdem ich von der Gemeinde Lahde auf

unbestimmte Zeit zum Nachtwächter dieser Gemeinde bestellt wurde, ich Seiner Majestät und König von Preußen, meinem allergnädigsten Herrn treu und gehorsam sein, die mir obliegenden und mir oben verständigten Pflichten treu und gewissenhaft erfüllen und genau befolgen und mich in allen Stücken so verhalten und betragen will, wie es einem treuen und rechtschaffenen Diener geziemt und gebührt.

So wahr mir Gott helfe durch Jesum Christum zur ewigen Seligkeit. Amen Anton Jung hat diesen Eid geleistet und eigenhändig unterschrieben.

XXX Anton Jung konnte nicht schreiben und machte deshalb 3 Kreuze.

Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 19. März 1847

Da wir einen in seinem Dienst pünktlichen, so wie auch treuen und redlichen Nachtwächter haben, so wurden von dem Vorsteher Struckmann die Gemeindeverordneten eingeladen und die unten aufgeführten erschienen und wurden befragt, ob wir uns nicht entschließen wollten, dem Nachtwächter Jung einen Mantel zu geben, weil derselbe nicht im Stande ist, aus eigenen Mitteln sich für die winterlange Nacht das wollene Zeug anzuschaffen, und der Mantel solange in seinem Gebrauch zu halten, wie er für die Gemeinde Lahde Nachtwächter sei. So wurde nach vorheriger Beratung beschlossen, dass Jung der Mantel sollte gegeben werden und die Kosten aus der Communalkasse Lahde genommen werden möchten., worum wir das hochlöbliche Amt bitten, eine Anweisung von 8 Talern 20 Groschen laut beiliegender Rechnung vom Communalrendanten Herrn Rohlfing erbitten.

Es würde demnächst dem Schneidermeister Saxowsky der Auftrag gegeben, den erwähnten Mantel auf Rechnung zu verfertigen, so würde, nachdem die Arbeit gemacht, der Mantel abgenommen, und da das Zeug und die Arbeit untadelhaft war, Zuschlag bewilligt.

Vorsteher Struckmann

Verordnete: Pohlmann

Lange

Helle

Koch

In einem Protokoll vom 2. Februar 1857 taucht der Name Jung erneut auf:

Vom unterschriebenen Vorsteher wurde der hiesige Gemeinderat einberufen, um zu beschließen wegen der Verpflegungsgelder der Dannenbergskinder aus der Gemeindekasse für hiesige Gemeinde ausweisen zu wollen

So wurde einstimmig beschlossen:

für den Sohn Rudolph dem Neubauer Jung 12 Groschen

Wo wohnte der Neubauer Jung?

Lahde, den 5. Juni 1861

In der heutigen Versammlung der hiesigen Gemeindeverordneten wurden nach vorheriger Beratung folgende Beschlüsse gefasst:

Die vorherige Beschwerde des Maurers Kahde hierselbst über die schlechte Beschaffenheit und beschränkte Passierbarkeit des Weges am Mönkegarten kann als vollständig begründet nicht anerkannt werden. Auf der heute vorgenommenen örtlichen Besichtigung hat sich herausgestellt, dass der fragliche Weg bei Lohmeier seiner unbedeutenden Abschüssigkeit wegen wohl zu passieren ist, jedoch müssen,

I die unterhalb der Grenze neugepflanzten Pappeln, dem Colon Struckmann Nr. 36 gehörig, wieder entfernt.

II der Neubauer Jung die dem Wege zu nahe gerückte trockenen Hecke bis auf die Grenze zurückgezogen, dessen grüne Hecke etwas aufgeräumt und der längs dieser Hecke liegende Grand wieder fortgeschafft. Usw.

Nachtwächter und Neubauer Anton Dietrich Jung geb. 10.5.1802 wanderte 1864 mit Charlotte, Friederike Wilhelmine geh. Meyer 51 Jahre alt nach Nordamerika aus.

 

Historische Verhörprotokolle aus dem Lahder Archiv zum Thema "Tanzlustbarkeit"

Bei seinem Studium der Akten aus dem Stadtarchiv fiel dem Ortsheimatpfleger Wilhelm Gerdes zwei besondere Fälle auf, für die man heute sicherlich kein Verständnis mehr hat. Unter dem Aktenzeichen Tanzlustbarkeit waren folgende Fälle archiviert, die er im Wortlaut wiedergibt:

Pr. 23/5 42 N 13400

hier

zu Pol

ad term 20 July Morgens 9 Uhr Wmdh.23/6

Euer Wohlgeboren zeige ich hierdurch ergebenst an, dass am 3t des Monats, an welchem der Heuerling Lohmeier zu Lahde in der Wohnung des Col. Minnemann Uhr 24 daselbst Tanzbelustigung gegeben hat, nach Ablauf der gesetzlichen Polizeistunde hier in Lahde nächtliche Störungen vorgekommen sind Es hat nämlich der Musikus Twelsing Senior zu Petershagen um 11 Uhr und um 2 Uhr nachts während eines Zuges über die Straße Musik gemacht, und ist dasselbe von einem Haufen leichtsinniger und teilweise auch wohl betrunkener Menschen, die das bekannte Räuberlied "Einfreies Leben führen wir "gesungen haben, umgeben gewesen. Ich selber sowie auch der Kantor Althoff haben bei das Musik und Gesang gehört und sind dadurch in nächtlicher Ruhe gestört worden. Namentlich hat dieser Unfug auch meine Frau, welche an den Folgen einer zu frühen Entbindung tödlich krank darnieder lag, sehr nachteilig ausgewirkt. Unter dem die Musik umgebenen Haufen soll der Col. Schwier Nr. 30 hier der Hauptanführer gewesen sein. Die wilde Schar ist am Ende des Zuges in die Wohnung Nr. 18 hier eingekehrt und werden dies die Heuerlinge bei Nr. 18 der Schuhmacher Christoph Bade und die Ehefrau des Musikers Krohne bezeugen können, zu gleich auch anzugeben möchte, dass in dieser lästigen Gesellschaft der Musikus Twelsing, der Col. Schwier und die beiden Schäfer von Nr. 1 und Nr. hier, deren Namen ich nicht angeben kann, gewesen sind.

In der selbigen Nacht sind a) der Geselle des Schuhmachers Bade bei Nr. 1

b )der frühere Knecht des Colon Minnemann hier Wilhelm Huxholl

wo derselbe sich auch jetzt noch aufhalten soll, heimlich in die Wohnung des Colon Pohlmann Nr. 11 gewesen und von letzterem um 2 Uhr verjagt worden, bei welcher Gelegenheit der vorhin genannte Johann seine Mütze, die derselbe vom 14. d. M sich wieder zurückerbeten, im Stich gelassen hat. Die Richtigkeit dieser Angaben können bei den Dienstmädchen des Col. Pohlmann , wovon die eine Louise Thiele aus Bierde heißt, den Namen der anderen ich aber nicht angeben kann, jedenfalls dieselbe wohl aus dem dortigen Gesindeverzeichnis zu ersehen sein dürfte, bestätigen.

Ich trage hierdurch ganz ergebenst darauf an, sämtliche Denuncierten event. zu bestrafen und in Petershagen bestrafen zu lassen, zugleich auch bitte ich, gewogenstlich das Resultat der Untersuchung mir mitteilen zu wollen um nötigenfalls die Sache noch anderweitig zu verfolgen oder Beweismittel beitragen zu können. Ob die Erlaubnis zu einer Tanzlustbarkeit in Lahde, die zu geben sein würde, zumal bei dieser Gelegenheit solche Excesse vorgekommen sind, und auch noch der Branntwein im Übermaße genossen ist, worüber in Bezug auf den Col. Schwier der Polizeimajor in Minden zu vernehmen sein dürfte, gebe ich lediglich Eu. Wohlgeboren Ermessen, so wie auch darüber die Beurteilung nehmen, ob es in Ordnung sei, dass die in Rede stehende Tanzlustbarkeit abgehalten worden ist, ohne dass so der fällige Erlaubnissehein vom hiesigen Vorsteher Wiebke unterschrieben worden wäre. Am Tage nach der Tänzerei hat der erwähnte Schein, von dem ich die Abschrift genommen habe, dem Kantor Althoff und mir vorgelegen. Und haben wir beide uns davon überzeugt, ohne dass derselbe wodurch er seinem Inhalte nach allein erst Gültigkeit erhielt, vom Vorsteher Wiebke nicht unterzeichnet war

Lahde, d. 19T Mai 1842 Pastor Priehs

(md.)23/5/42 Nr. 1301

Zur Vervollständigung meiner Eingabe vom gestrigen Tage, betreffend die am 3t.d. M in der Wohnung des Co!. Minnemann Nr.24 hier abgehaltene Tanzlustbarkeit, beehre ich mich hierdurch nachträglich ergebenst noch zu zeigen: dass an jener Belustigung folgender nächtlicher Unfug außer den bereits angeführten Personen noch teil genommen haben:

a.) Col. Koch Nr. 28

b) der Schneider Wilhelm Saxowsky Nr. 54 c) Carl Kahde bei Nr. 27

sämtlich in Lahde, und schlage ich außer den bereits schon angegebenen Zeugen Christoph Bade und Ehefrau Krohne noch besonders der Schäfer Thiele bei Nr. 3 und die Mutter Neubauer Daake beide von hier, vor unter Wiederholung meines Antrages ergebenst azif Untersuchung und event. Bestrafung

Lahde, 20t. Mai 1842 gez. Prieß , Ps

Nach Aktenlage ist nicht erkennbar, wie die Anzeige des Pastors Prieß weiter behandelt wurde. Die Akte Tanzlustbarkeit schließt an dieser Stelle.

100 Jahre später ereignet sich ein anderer Fall, der fast an gleichem Ort passiert und bei dem auch Alkohol im Spiel ist. Tatort ist die Tonne, bekannte Gaststätte im Unterdorf im Jahre 1938.

Von der Amtsverwaltung werden verhört:

a. ) der Friseur Fritz Feldmann

b) der Polizeihauptwachtmeister Scheffler

c )der Postschaffuer Heinrich Schwarze Lahde Nr. 115 d.)der Landwirt Heinrich Schmidt Lahde Nr. 20

Lahde den 11. August 1938

Es erscheint der Friseur Fritz Feldmann aus Lahde Nr. 180 und erklärt:

Ich nahm gestern Abend teil an der Polterabendfeier des Sohnes von Gastwirt Prengo in Lahde. Es wurde getrunken und getanzt. Ich befand mich in etwas angeheiterten Zustande. Betrunken war ich unter keinen Umständen.

Um etwa 1.30 Uhr spielte sich folgener Vorgang ab.:

Ich stand an dem südlichen Rande der Tanzfläche und zwar 3 bis 4 m vom Ausschank entfernt und unterhielt mich mit dem Postbeamten Heinrich Schwarze aus Lahde Nr, 115. In dem Augenblick kam der Polizeihauptwachtmeister Scheffler aus Lahde mit seiner Frau an uns vorbei. Scheffler war in Zivil. Schwarze hatte mit seiner Frau getanzt und hatte diese zurückgebracht. Indem er ankam sagte er, er habe mit meiner Frau getanzt und wolle nun einen ausgeben. Ich erklärte, nicht mehr trinken zu wollen. In dem gleichen Augenblick kam Scheffler vorbei und ich sagte scherzweise:

"Aber der muss einen ausgeben. "Ich kenne Scheffler aus früherem Verkehr und glaubte diese Äußerung tun zu können in der Erwartung, er werde sie als Spaß aufnehmen. Scheffler erklärte mir dann, er sei mein Kalfaktor nicht. Schwarze sagte: " Was meint er damit ?" Ich sagte darauf zu Schwarze: (Diesen Ausdruck kann ich nicht mehr genau wieder geben. }Darauf ging Scheffler mit seiner Frau fort. Ich unterhielt mich mit Schwarze weiter. Plötzlich kam Scheffler zu uns zurück, riss mich herum und schlug sofort auf mich ein. Mir blieb keine Besinnung, weil ich sofort zu Boden fiel. Sobald ich mich wieder aufrichten wollte, schlug Sch. Von neuem auf mich ein, sodass ich gar nicht mehr aufrecht zum Stehen kam. Als ich recht zur Besinnung kam, stand ich allein auf dem Hof und sah, dass Scheffler fort gezogen wurde. Damit war der Vorgang an sich erledigt. Später sagte mir der Sohn des Eierhändlers Schmidt, Ernst Schmidt, Scheffler habe sich dahingehend geäußert, als wenn ich Frau Scheffler irgend etwas angetan habe. Es war die Rede vom Daumen in den Hintern. Einen Zusammenhang kenne ich nicht .Jedenfalls schließe ich daraus, dass Scheffler annahm, ich habe seine Frau tätlich beleidigt. Dazu erkläre ich: An dem Abend habe ich die Frau Scheffler zum ersten mal gesehen als sich dieser Vorgang abspielte. Ich kann also mit der Frau nichts zu tun gehabt haben. Einen anderen Grund für das Verhalten Schefflers kann ich mir nicht erklären.

Ich stelle Strafantrag gegen Scheffler.

Unterschrift

Nach diesem Antrag beim Amtsbürgermeister lädt der Zeugen vor. Lahde, den 12. August 1938

Auf Veranlassung erscheint der Landwirt Ernst Schmidt aus Lahde Nr. 20 und erklärt auf Befragen:

Von den gesamten Vorgängen bis zur Beendigung der Schlägerei habe ich nichts gesehen. Ich kam vom Abort und ging in Richtung des Saales. Kurz vor dem Saal sah ich, dass Feldmann am Boden lag und im Begriff war, aufzustehen. Der Amtsrentmeister Brinkmann wollte Ruhe stiften und redete auf Scheffler ein. In diesen Gesprächen sagte Scheffler: " Das lasse ich mir nicht bieten, dass Feldmann meiner Frau den Finger in den Hintern steckt. "Diese Wahrnehmung habe ich später Feldmann mitgeteilt.

Weiter kann ich zur Sache nicht angeben.

Unterschrift

Lahde, den 12.August 1938

Auf Veranlassung erscheint der Postschaffuer Heinrich Schwarze aus Lahde Nr. 115 und erklärt auf Befragen:

Ich nahm ebenfalls an dem Polterabend des Sohnes von dem Gastwirt Prengo teil.

Gegen 1.30 Uhr hatte ich die Absicht nach Hause zu gehen. Als ich im Saale stand und schon meine S.A. Mütze aufgesetzt hatte, spielte die Musik einen Walzer und ich legte meine Mütze wieder ab, um mit Frau Feldmann zu tanzen. Nach dem Tanz ging ich mit Frau Feldmann zu ihrem Manne und unterhielt mich noch mit Feldmann. In dem Augenblick kam Scheffler mit Frau an uns vorbei. Feldmann sagte zu Scheffler: " Sie können heute Abend auch mal einen ausgeben. " Darauf sagte Scheffler: "Ich bin Feldmann sein Kalfaktor nicht. "Ich sagte dann zu Feldmann: "Was meint er damit? "Ohne eine Antwort abzuwarten haben Feldmann und ich uns abgedreht. Ich bin zum Tisch gegangen, um meine Mütze zu holen, wohin Feldmann ging, weiß ich nicht. Die Äußerungen, die gefallen sind, mögen wörtlich vielleicht nicht stimmen, inhaltlich sind sie aber richtig. Als ich meine Mütze aufgesetzt hatte, um zu gehen, sah ich, dass Feldmann bereits am Seitenausgang des Saales sich befand. Ein genaues Bild kann ich nicht wiedergeben, weil in meinem Bliclifeld mehrere Personen standen. Ich bin dem Seitenausgange zugegangen nach draußen. Draußen sah ich Feldmann stehen und den Amtsrentmeister Brinkmann, der sich bemühte Ruhe zu schaffen. Ich schloss daraus, dass irgend etwas passiert war, was los war, wusste ich in dem Augenblick noch nicht. Auf dem Platze befanden sich mehrere Personen.

Weiter kann ich zur Sache nichts angeben.

Unterschrift

Am 22. August 1938 gibt es ein klärendes Gespräch beim Amtsbürgermeister. Anwesend:

Frisör Fritz Feldmann Pol. Hautw. Scheffler.

Beide Parteien sind sich darüber einig, dass eine gegenseitige Beleidigung nicht hat stattfinden sollen. Feldmann erklärt, dass er Scheffler nichts hat antun wollen und zwangsläufig hineingezogen worden ist. Er hat nur einen Scherz treiben wollen in der Meinung, dass er sich auf Grund der Bekanntschaft mit Scheffler das hat erlauben können.

Scheffler erklärt, dass er sich damit abfinde, jedoch mit Rücksicht darauf, dass Feldmann sich hinterher noch Äußerungen erlaubt hat die er als unwürdig auffasst, die Zahlung einer Geldbuße von 10,00 RM an die NSV verlangt.

Feldmann erklärt sich mit der Zahlung zur Buße bereit.

Unterschriften

 

Die alte Schule in Lahde und ihre Lehrer

Seit wann gibt es in Lahde eine Schule und wie heißen die Lehrer?

Die Quellensuche gestaltet sich sehr schwierig und es bleiben in der Vergangenheit viele Lücken, die ich bisher nicht schließen konnte. Brauchbare Quellen erschließen sich in den Kirchenbüchern von Lahde, die aber est im 17. Jahrhundert beginnen.

Die Schulfahne von Lahde war von 1887 -1918 in der Volksschule untergebracht. Nach Ablösung des Kaiserreiches war sie von 1918 - 1968 auf dem Dachboden des Kantorhauses, später Hirschapotheke, jetzt Eisdiele Gingko, versteckt. Ab 1993 ist sie im Archiv des alten Amtsgerichts in Petershagen untergebracht.

Als weitere Quelle steht die Schulchronik von 1881 zur Verfügung.

1265 Priorin Johanna und andere Ordensschwestern des Nonnenklosters in Lahde fertigten einen Bildteppich. Der Teppich zeigt in acht Bildern und Spruchbändern das entbehrungsreiche Leben im Kloster Lahde. Ein Bild zeigt einen Kornspeicher, in dem vier Mädchen unterrichtet werden. Die erste Lahder Schule?

Nach Anweisung von Martin Luther sollen die ersten protestantischen Pastore die ersten Schulen einrichten.

1654 Hanß der scholarmeister hat ein Kind taufen lassen.

1657 Hermanus Meyer Custos das Amt des Küsters war mit dem Amt des Lehrers verbunden.

1663 Arndt Adam Custos

1668 - 1672 Ernestus Honckhusen (Taufe seiner Kinder) Ludi moderator bzw. Lutt- moderator Meister des Spiels der niederen Schule

1785 - 1819 Dieterich Heinrich Halle aus Lahde Küster, Organist und Schullehrer

Wo war das Schulgebäude? Es stand an der Kirchstraße, gegenüber dem Eingang zum Kirchengelände.

Die Schulstube in dem zum Schulhalten bestimmten Gebäude wird höher gemacht und um 8 Fuß verlängert. Kosten 195 Taler.

1820 Johann Heinrich Friedrich Knipa Küster, Organist und Schullehrer Sein Nachfolger wird der Schullehrer und Kantor Althoff.

1831 Einrichtung von Schulvorständen, Mitglieder des Gemeinderates kümmerten sich um Schulangekgenherten

1835 Schullehrer Dedecke

1853 Lehrer Rehling aus Bierde

1855 Schullehrer Dedecke junior

Gründung eines Schubauvereins

1869 Im Frühjahr wurde die alte Schule abgebrochen und an dessen Stelle sofort ein neues massives Schulhaus gebaut. Es war schon im September des Jahres bezugsfertig.

1889 Zweiter Lehrer Nölle später Lehrer Maßow

Die Schule ist dreiklassig, ein 2. Klassenraum mit neuem Inventar wird erstellt.

Ab diesem Zeitpunkt wechseln die Lehrer sehr oft. Es herrscht großer Lehrermangel. Zeitweise werden alle drei Klassen von einem Lehrer in 38 Wochenstunden unterrichtet.

1889 Lehrerin Thiem

Lehrer Schwerdfeger Schülerzahl 15

1895 Lehrer Schnepel aus Petershagen

1897 Lehrer Hogrefe aus Kohlenfeld

1900 Lehrer August Wiese aus Südhemmem

1901 Lehrer Schwerdfeger aus Volmerdingsen

Lehrer Hans Bolles aus V olmerdingsen zur dienstlichen Bewährung

Alle nächsten Lehrer waren als 2. Lehrer nur kurzfristig in Lahde beschäftigt.

1911 Hilfslehrer Kindermann

1914 -1916 wurden die Schüler teilweise nur von einem Lehrer unterrichtet (Lehrer Dreyer)

Lehrer Brüning zum Wehrdienst

1.    Klasse 80 Schüler morgens zum Unterrichten

2.    Klasse 88 Schüler nachmittags zum Unterrichten

1918 Lehrerin Frl. Sudbrink Lehrer Lenz aus Schlesien Lehrerin Fr!. Hoffmann

1918 nach Kriegsende: Lehrer Kindermann, Lehrer Schlottog (Fliegerleutnant ) Lehrer Dreyer Kantor

1920 147 Schüler Kantor Dreyer geht in den Ruhestand, Lehrer Brünink kommt zurück.

1921 Schülerzahl 153

1925 Lehrer Brünink nach Spradow

Wilhelm Bracht Lehrer und Kantor aus Hausberge, Einwohnerzahl in Lahde 834, 396 männlich, 438 weiblich

1926 Schülerzahl  106

1927 Einwohnerzahl 915, Hilfslehrer Wilhelm Barg

Lehrer Lenz nach Ilvese, Lehrer Pittelmeyer aus Bielefeld nach Herford Lehrer Wilhelm Schäkel, Lehrer Heinrich Rötger

1928 Einwohnerzahl 915 , Schülerzahl 104,  Lehrer Barg nach Minden

1929 Einwohnerzahl 940

Hausbesitzer 165 , Gewerbebetriebe 48, Schülerzahl 92, Lehrer Rötger nach Ostfriesland ,Lehrerin Fd. Röbke

1930 Lehrer Schäkel nach Neuenbaum, Lehrer Rudolf Lindkamp

1932 Lehrer David aus Bierde zur Privatschule, Junglehrer Kallendorf nach Lübbecke

1933 Einwohnerzahl 983 Hausbesitzer 185

1934 Einwohnerzahl 1 004, Lehrerin Irma Schroeder Handarbeit

1936 Einwohnerzahl 1 028, Lehrer Lindkamp nach Herford Lehrer Wilhelm Bruneforth

1937 Schulamtsbewerber Hans Glütjen, Lehrer Bracht tödlich verunglückt

Lehrer Eckenkamp aus Quetzen, Lehrerin Fd. Lara Briendorf, Lehrerin FrL Gertrud Röbke

 

1938 Lehrer Otto Pöller aus Gorspen- Vahlsen 1. Lehrer nicht mehr automatisch Kantor

1941 Frau Pöller übernimmt technischen Unterricht

1942 Schülerzahll 191, Aufnahme von Schülern aus dem Ruhrgebiet

1943 Lehrer Bruneforth zum Militär

Lehrerin Frl. Lotti Römke, Lehrer Olkmetzer

1946 Lehrer Heinrich Kanning

1947 Lehrer Wilhelm Schäkel aus Spenge, Lehrerin Fd. Irene Arndt

1949 Drei Lehrer unterrichten 220 Schüler

1950 Lehrer Heinrich Rötger

1952 Lehrer Willi Koch  

 

1943 - Brief an Lahder Frontsoldaten

vor einigen Tagen fiel mir ein Exemplar der Lahder Heimatgrüße in die Hände, die im Jahre 1943 von Lahde aus an die Frontsoldaten versandt wurden. Ich drucke sie hier original aber in geänderter Reihenfolge ab.

Liebe Kameraden!

Leider ist es mir nicht möglich, all die lieben Zeilen, die mancher von Euch der Ortsgruppe sandte, jedem einzeln zu beantworten. Ich möchte aber zunächst unseren herzlichen Dank aussprechen. Es ist uns eine besondere Freude, immer wieder von Euch zu lesen, wie sehr Euch der Heimatbrief gefällt und mit welcher Sehnsucht Ihr ihn erwartet. Ja, und wir wissen und empfinden es mit Euch, welch Feierstündchen für Euch beginnt, wenn Ihr unter dem Namen Lahde zu lesen anfangt, und wie oft gleiten Eure Augen wohl über diese Zeilen. Da seht Ihr im Geiste das Heimatdorf vor Euch mit den sauberen Straßen, unter hohen Kastanien die schmucken Häuser mit den blühenden Vorgärten. Ihr seht die Dorfgenossen bei ihrer friedlichen Arbeit, Ihr hört sie sprechen. Und ein unbändiges Heimatgefühl geht dann durch Eure Herzen, und Ihr werdet es am besten wissen, warum Ihr draußen kämpft. - Leider ist es uns aus begreiflichen Gründen der Papierersparnis nicht möglich, Euch im Kreisheimatbrief ausführlicher und mehr zu berichten. Da aber gerade Ihr ein Recht darauf habt, alles zu erfahren, was hier in Lahde im Zuge größerer Bauvorhaben geschieht, habe ich in der Ortsgruppe den Vorschlag gemacht, einen zusätzlichen Heimatbrief zu schaffen, der von Zeit zu Zeit erscheint. Glaubt mir, mit Begeisterung waren alle dabei, und so ist es mir möglich, Euch in Form dieser Zeitung die besondere Überraschung, die ich im letzten Kreisheimatbrief andeutete, zu überreichen. Möge sie Euch viel Freude bereiten.

Hoffentlich seid Ihr alle gesund und munter. Hier ist alles wohlauf. So wie Ihr fiir die Heimat steht, so sind unsere Gedanken immer bei Euch. Wir sind mit Euch eins, alles zu tun für das große Ziel.. darum gibt es hier auch kein Murren und Zagen. Wir

werden hier alles tun, um wenigstens einen bescheidenen Anteil zu haben. Macht Euch keine Sorgen! Aus den einzelnen Beiträgen, welche die Parteigenossen schrieben, mögt Ihr nun lesen, was es in der Heimat an Neuigkeiten gibt.

Die herzlichsten Grüße sendet Euch im Namen der ganzen Einwohnerschaft die Ortsgruppe der NSDAP

Heil Hitler

Euer Wilhelm Bruneforth

Die Dorferweiterung und Neugestaltung in Lahde

Wer von Euch, liebe Soldaten, in den letzten Monaten bei uns auf Heimaturlaub war, der wird gesehen haben, dass hier mancherlei vor sich geht. In diesem Teil des Heimatbriefes möchte ich darüber berichten.

Im Januar dieses Jahres wurden die besonderen Bauarbeiten nördlich der Ziegelei Albert aufgenommen. Sie sind seitdem ohne Unterbrechung in immer größerem Umfange fortgesetzt worden. Die Geschäftsräume der Preußen Elektra befinden sich in den früheren Läden des verstorbenen Tischlers Chr. Ötting. Die Baufirma Polensky & Zöllner, die früher während des Kanalbaues die Bauleitung in Windheim hatte und vorübergehend nach Minden übergesiedelt war, hat im Frühjahr die Bauleitung nach Lahde bei der Kaiserkuhle verlegt, um unmittelbar beim Baugelände zu sein. Im Zusammenhang mit den Erdbewegungen auf dem Baugelände wird jetzt das Jösser Bruch, das insbesondere in den letzten Jahren sehr nass war und schlechte Gräser hatte, erheblich aufgehöht, ähnlich wie das vor Jahren im Auetal geschehen ist. Mit den Arbeiten für das Umschaltwerk, das östlich Lahde in der Gabelung der Chaussee Lahde-Bierde und des Feldweges Lahde -Quetzer Heide vorgesehen ist, soll nach der Ernte begonnen werden.

Für beide Bauanlagen sind die Erdarbeiten zur Verlegung der Anschlussgeleise vom Lahder Bahnhof im Gange. Das eine Anschlussgleis führt vom Lahder Bahnhof nach Norden im großen Linksbogen über das Jösser Bruch in das Baugelände bei Albert, das andere verläuft vom Bahnhof Lahde nach Süden, um ebenfalls im Linksbogen das geplante Umschaltwerk zu erreichen.

Neben den wenigen deutschen Facharbeitern sind in der Hauptzahl fremdvölkische Arbeiter eingesetzt. Zunächst wurde östlich der Straße nach Bremen, auf dem Greitken Berge ein Barackenlager eingerichtet und von Ostarbeitern und Belgiern bezogen. Die Führung und Betreuung in diesem Lager hat die DAF. Im Frühjahr verlegte man ein Arbeitserziehungslager von Liebenau /Hannover nach Lahde und zwar ebenfalls

östlich der Hauptstraße, etwa zwischen Kaiserkuhle und Jösser Bruch, auf den Grundstücken von Pohlmann Nr.ll Bei der hohen Zahl der fremdvölkischen Arbeitskräfte kommen naturgemäß für die Volksgenossen von Lahde und den benachbarten Gemeinden mancherlei Fragen auf. Daher hat die Ortsgruppe am 2. Juli d. J. in einer öffentlichen Kundgebung die Bevölkerung auf die Notwendigkeit hingewiesen, das deutsche Volkstum zu schützen und die richtige Einstellung gegenüber den Fremdvölkischen einzunehmen. Im übrigen wachen politische Leiter und Polizeikräfte darüber, dass etwaige Auswüchse sofort unterbunden werden.

Der Wohnraum in Lahde war schon vor Jahren während der Kanalarbeiten ziemlich stark in Anspruch genommen, trotzdem die friedensmäßige Bautätigkeit in Lahde immer besonders rege war. Die jetzigen Bauarbeiten haben noch mehr schaffende deutsche Menschen hierher gezogen, sodass seit Monaten die Nachfrage nach Wohnungen und Unterkünften sehr groß ist. Schon vor diesem Kriege war die Gemeinde Lahde als Siedlungsgemeinde bestimmt, jetzt ist eine Dorferweiterung im größeren Umfange dringend erforderlich. Unser schönes, sauberes Dorf ist nach Lage und wirtschaftlicher Bedeutung ganz besonders geeignet, zu einem ländlichen Mittelpunkt ausgebaut zu werden. Kreisbaurat Kühn aus Minden hat durch einen Plan das nötige Baugelände erfasst und aufgeschlossen. Der Bedarf für die nächsten 10 Jahre ist auf 350 Wohnungen berechnet. Es ist eine Gemeinschaftssiedlung gedacht, die einmal die einheimischen Baulustigen aufnehmen, zum anderen für die Werksangehörigen Wohnungen schaffen soll. An der jetzigen Hauptstraße östlich von Kar! Sackhoff ist der große Sportplatz vorgesehen, der etwas mehr als 12 Morgen umfassen wird. Gemeinschaftshaus und HJ-Heim werden als Mittelpunkt des politischen und kulturellen Lebens weiter östlich anschließen. Ein großer, freier Platz ist als Siedlungskern gedacht, zugleich auch als Wochenmarktplatz. Im Hintergrunde, nach Norden zu, finden wir die geplante neue Volksschule, etwa mit 7 Klassen, die Hauptschule, anschließend die Kreisberufsschule und die Seefahrtsschule für Heringsfängerkapitäne. Wir meinen, dass die neuen Schulgebäude zu sehr an den Nordrand der Gemeinde gelegt sind, wir geben die Hoffnung nicht auf, dass für diese wichtigen Gebäude noch ein geeigneterer Platz mehr in der Mitte des Dorfes gefunden wird. Im Siedlungsplan gefallen uns auch keineswegs die Reihenhäuser, von denen z.Zt. drei gegenüber der Sparkasse gebaut werden. Wir sind der Auffassung, dass diese Mietskasernen in unser schönes Dorf- und Landschaftsbild nicht passen. Wir haben in wiederholten Besprechungen und Beratungen energisch abgelehnt. Ortgruppenleiter, Bürgermeister, Gemeinderäte, Ortsbauernführer und Ortsheimatpfleger gehen in dieser Frage vollkommen einig. Dagegen gefällt uns die übrige Gestaltung recht gut. So soll die Mulde, die sich von Südosten nach Nordosten erstreckt, als Grünfläche angelegt werden, um die ganze Siedlung aufzulockern und um den Siedlern Wiesen und Weiden für Kleintierhaltung geben zu können. Der große Giesekingsche Obstgarten ( jetzt Hendrich )soll so erhalten bleiben. Ihr seht im Dorferweiterungsplan auch noch zwei weitere sogenannte Obsthöfe, die angelegt werden sollen. Im Plan ist auch die Bebauung der Dornenbreite (Besitzer Nahrwold Nr. 2) vorgesehen, doch soll dieses wertvolle Land ganz zuletzt in Anspruch genommen werden. Daneben laufen noch viele andere Fragen und Aufgaben kommunalpolitischer Art, die mit all diesen Plänen in Zusammenhang stehen. Wohl noch nie in unserem Heimatgebiet hat eine Landgemeinde vor solchen Aufgaben gestanden. Aber Ihr, liebe Soldaten, könnt versichert sein, dass die Verwaltung der Gemeinde im engsten Einvernehmen mit dem örtlichen Hoheitsträger und den anderen örtlichen Stellen alles beobachten und übersehen wird, um die Interessen der Gemeinde und der Bewohner wahrzunehmen. das ist gerade bei einer Neugestaltung des Dorfes sehr wichtig. Wir werden auch dafür sorgen, dass Ihr nach siegreicher Beendigung dieses Kampfes gute Möglichkeiten findet, in der Lahder Siedlung ein schönes Eigenheim zu bekommen, um mit Frau und Kindern einer besseren und schöneren Zukunft Deutschlands entgegen zu gehen. Über die näheren Bedingungen und Einzelheiten zur Schaffung eines Eigenheimes will ich Euch dann nächstens weiter berichten, damit Ihr Euch rechtzeitig als Baulustige melden könnt. Ortsgruppe und Gemeindeverwaltung sind gerne bereit, die Vermittlung Eurer Wünsche zu übernehmen, weil Ihr Eure Interessen z.Zt. doch nicht selbst wahrnehmen könnt. Bis dahin alles Gute!

Heil Hitler

Ötting

Bürgermeister m.d.V.b.